internet Die ÜberlebenskünstlerSeite 3/3

Und dann die Werbung: Sie ist zwar nach wie vor ein Hoffnungsträger; wächst tatsächlich auch, aber nur in Maßen. Auch das liegt nicht unbedingt an Web.de allein. Insgesamt haben die Online-Anzeigen bislang erst einen Marktanteil von rund drei Prozent am Werbekuchen. »Der Werbemarkt wird sich entwickeln«, sagt Matthias Greve. Da schwingt viel Hoffnung mit.

Die setzt er neuerdings auch auf die Vermarktung schneller Internet-Zugänge. DSL heißt die neue Technik, der zwar eine große Zukunft prophezeit wird. Allerdings: Hier reiht sich die Firma in eine wachsende Schar von Anbietern ein, die sich inzwischen mit ihrem Preiskampf kaum Spielraum für Gewinne lassen. Das gilt auch fürs Telefonieren über das Internet, Voice over IP (VoIP) genannt. Noch ist dieser Dienst trotz seiner geringen Gebühren weit davon entfernt, ein Massenmarkt zu sein. Aber immerhin: Web.de geht mit ins Rennen.

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Seine schwarzen Zahlen verdankt das Unternehmen vor allem der Finanzpolitik. Rund 100 Millionen Euro haben die Brüder noch vom Erlös aus dem Börsengang übrig, der 180 Millionen Euro in ihre Kassen spülte. Mit dem Zinsgewinn kompensiert das Unternehmen den Verlust aus dem operativen Geschäft. Der betrug im Jahr 2003 rund 2,8 Millionen Euro. Knapp eine Million Euro weist das Unternehmen als Jahresüberschuss aus.

Besonders viel Geld fließt in die Forschung und Entwicklung. Allein im vergangenen Jahr waren es fast 14 Millionen Euro. »Wir sind kein Dividendenwert. Wir sind ein Technologie- und Wachstumswert«, sagt Greve und meint es womöglich nicht so arrogant, wie es verstanden werden könnte. Auf dem Kapitalmarkt kommt es jedenfalls nicht so gut an. Als das Unternehmen im Jahre 2000 an die Börse ging, betrug der Emissionspreis 26 Euro. Heute schwankt der Kurs um die sieben Euro. Thomas Liskamm, Anlagestratege bei der Dresdner Bank, sagt beispielsweise: »Das Unternehmen hat sich zwar auf dem deutschen Markt als unabhängiger Anbieter behauptet. Es dürfte ihm aber schwer fallen, mehr als immer nur die Rücklichter der Großen zu sehen.«

Dabei geben die Internet-Pioniere richtig Gas. Stattliche sieben Millionen Euro steckten sie allein 2003 in ein neues Projekt, das Web.de weltweit an die Spitze des Fortschritts katapultieren soll. Die Software heißt Com.Win und fungiert als eine Art virtuelle Telefonzentrale im Netz. Sie verbindet das Web mit dem Telefon. Über das Adressbuch im Computer können Gespräche gestartet, eingehende Anrufe weltweit per Mausklick an beliebige Telefone weitergeleitet werden. Sowohl PC als auch Festnetztelefon und Handy sind an die Kommunikationszentrale im Netz gekoppelt. Der Nutzer kann auch mit Kollegen oder Freunden am anderen Ende der Leitung gemeinsam an Dokumenten arbeiten. Derzeit kostet das alles 4,95 Euro im Monat.

Wer braucht das, und wer zahlt dafür? Bislang fanden sich erst wenige Nutzer. Analysten oder Investmentbanker reagieren unterschiedlich bei der Frage nach der Perspektive von Com.Win und mithin auch Web.de. »Wir werden langsam ungeduldig«, sagt zum Beipiel Adrian Hopkinson von der Westdeutschen Landesbank. Eine Kollegin von einer anderen Bank, die nicht namentlich zitiert werden will, kommentiert harsch: »Sie sollten aufhören, Geld zu versenken.« Andere geben sich abwartender.

Derzeit sei Com.Win noch kein Massenprodukt, gibt Greve zu. »Aber wir verfolgen eine langfristige Strategie.« 40 Patente seien bereits angemeldet. Und in acht Jahren will er Web.de in ein »weltweit führendes Web-Telekommunikationsunternehmen« verwandelt haben. Das klingt nicht gerade so, als ob sich Matthias Greve schnell entmutigen lässt.

 
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