DIE ZEIT: Herr Präsident, wie lange wird es noch dauern, bis Afghanistan seine Kriegsherren los wird?

Hamid Karsai: Afghanistan braucht Zeit. Es braucht Zeit, um seine Institutionen aufzubauen und das Recht durchzusetzen. Es ist sehr schwierig für mich, ihnen einen Zeitrahmen zu nennen. Die Privatarmeen müssen entwaffnet werden. Die Milizionäre müssen einen Weg zurück in die Gesellschaft finden. Wer Soldat bleiben möchte, kann der neuen afghanischen Nationalarmee beitreten. Wer anderes will, der muss andere Möglichkeiten finden können. Jeder muss von heute an die Chance haben, teilzunehmen und ein Auskommen zu finden.

ZEIT: Sie benötigen für diese Aufgabe die internationale Gemeinschaft. Wie lange?

Karsai: Ich würde schätzen, dass es wohl rund ein Jahrzehnt lang dauern wird.

Wobei wir die Hilfe in unterschiedlicher Form brauchen werden. Es kann sein, dass in fünf Jahren die Truppen, die für Sicherheit sorgen, abgezogen werden können, weil wir eine eigene starke Armee haben werden. Vielleicht brauchen wir aber noch ökonomische Hilfe.

ZEIT: Zusätzlich zum Wiederaufbau führen Sie zwei Kriege: einen Krieg gegen die Drogen und einen Krieg gegen den Terror. Lässt sich das alles gleichzeitig schaffen?

Karsai: Wir müssen alle Herausforderungen annehmen. Anders geht es nicht.