Soziologie Der Souverän dankt abSeite 4/4
Darin bestärkt sie der Rückenwind aus Amerika mit seinem riesigen Markt für Medikamente. War die amerikanische Psychoanalyse immer eine mehr oder weniger suggestive Technik zur Stärkung des Ich, so schlägt die Biologisierung des Menschen den gleichen Weg ein: Hauptsache, der Patient fühlt sich wohl, und sei es vorübergehend. Nun spielen die Neurotransmitter die Hauptrolle. Nicht die Geschichte des Subjekts interessiert, sondern seine Symptome. Das Unbewusste ist ohne Bedeutung. Entscheidend ist, dass einer, der sich als unfähig zum Handeln erlebt, wieder handeln kann. Das Subjekt wird nicht geheilt, es wird verändert. Schluss mit den Hemmungen, tu was!
Ist das nun eine Verfallsgeschichte? Eher das Porträt eines Janusgesichts. Ehrenberg lässt einen in der Depression stets auch den Fortschritt des befreiten Individuums sehen. Zurück ins Zeitalter der Neurosen geht es nicht. Aber wer zum Abschied noch einmal sein Glas auf das von Konflikten geschüttelte alte Subjekt heben will, sollte vielleicht lieber mit französischem Rotwein als mit britischem Trinkwasser anstoßen.
Das erschöpfte SelbstSoziologieSachbuchDepression und Gesellschaft in der Gegenwart; a.us dem Französischen von Manuela und Martin LenzenAlain EhrenbergBuchCampus Verlag2004Frankfurt a. M.24,90305Manuela und Martin Lenzenfranzösisch- Datum 07.10.2004 - 14:00 Uhr
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- Serie sachbuch
- Quelle (c) DIE ZEIT 07.10.2004 Nr.42
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