Damit hatte niemand gerechnet: In den vergangenen fünf Jahren wuchs die tägliche Ölnachfrage um fast 1,3 Milliarden Liter – weltweit. Der Preis für den wichtigsten Rohstoff des Industriezeitalters steigt und steigt. Mittlerweile ist er bei mehr als 50 Dollar pro Fass angelangt.

Und nichts deutet darauf hin, dass das Öl in näherer Zukunft wieder billiger wird.

Längst glaubt auch die Internationale Energie Agentur (IEA), die sich noch vor vier Monaten mit den möglichen Konsequenzen eines Ölpreises von 35 Dollar auf die Weltwirtschaft beschäftigte, nicht mehr an einen aus heutiger Sicht so moderaten Preis. Die Verbraucher müssten wohl "auf absehbare Zeit mit einem Preis auf dem derzeitigen Niveau leben", verkündet mittlerweile der Chefökonom der Pariser Behörde, Fatih Birol. Die Nachfrage nach Öl sei hoch, das Angebot knapp; Terror, Streiks und Naturkatastrophen hätten die Ölmärkte nervös gemacht.

Fast gleichlautend die Analyse des amerikanischen Energieministeriums: Es sehe so aus, leider, als werde es noch viele Monate dauern, bis der Ölpreis wieder bei unter 40 Dollar pro Fass liegen werde, so die Botschaft aus Washington.

Nur die Spitzenpolitiker der Industrienationen, vorneweg Bundeskanzler Gerhard Schröder, wollen sich mit den trüben Aussichten nicht abfinden.

Als ob der deutsche Kanzler den Rohölpreis beeinflussen könnte, ließ er die gebeutelten Autofahrer, Eigenheimbesitzer und Verbraucher schon vor Monaten publikumswirksam wissen, wie er ihnen zu helfen gedenke: mittels einer internationalen Initiative zur Bekämpfung böser Spekulanten, die sich an den Ölbörsen tummelten – und sich auf Kosten der Verbraucher bereicherten.

Tatsächlich agieren an den Ölbörsen in London und New York neben jenen Händlern, die wirklich Öl kaufen oder verkaufen, auch zahlreiche Spekulanten. Diese so genannten nichtkommerziellen Händler haben nur ein Ziel: aus dem Auf und Ab der Preise schnellen Profit zu schlagen. Spekulieren sie, wie in diesen Wochen, auf steigende Preise, dann kaufen sie Öl in der Erwartung, dass sie den Terminkontrakt vor Fälligkeit zu einem noch höheren Preis verkaufen können (ZEIT Nr. 34/04). Das kann den Preis weiter in die Höhe treiben.

Der Rohstoffhunger der Chinesen heizt die Nachfrage an