Der Proband atmet tief ein, konzentriert sich und macht dann einige mutige Schritte auf den glühenden Kohlen. Dann schreit er auf und hüpft mit schmerzverzerrtem Gesicht von der heißen Bahn herunter. Die Physik mit Bewusstseinsenergie außer Kraft setzen? Von wegen – der Feuerlauf gehorcht simplen Regeln, und die schönste Meditation verhindert nicht, dass man sich nach ein paar Metern gehörig die Sohlen versengt.

Schelmisch grinst der Skeptiker Richard Wiseman, der für die britische BBC die Feuerläufer vorgeführt hat. Besonders im angelsächsischen Raum haben die Verfechter eines wissenschaftlichen Weltbildes ihren Spaß daran. Am vergangenen Wochenende trafen sie sich zu ihrem fünften Weltkongress im italienischen Abano Terme und tauschten viele dieser Geschichten aus. Zu den prominentesten Investigatoren des Übersinnlichen gehört Joe Nickell vom Committee for the Scientific Investigation of Claims of the Paranormal (CSICOP) in den USA. Der berichtete genüsslich davon, wie er nach 50 Jahren den Fall des »Flatwood Monster« löste, eines furchterregenden Wesens angeblich außerirdischer Herkunft – es war wohl eine Eule.

Das Häuflein der deutschen Skeptiker, zusammengeschlossen in der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP), hielt sich bisher zurück bei der Untersuchung konkreter Parabehauptungen und pflegte eher den theoretischen Diskurs. In diesem Sommer jedoch ließ man sich darauf ein, die Fähigkeiten von selbst ernannten Wünschelrutengängern, Psychokinetikern und Wasserbehandlern zu testen – als nationale Vorauswahl für den Preis von einer Million Dollar, den der amerikanische Zauberkünstler und Skeptiker James Randi für den Nachweis paranormaler Fähigkeiten ausgesetzt hat.

Das Ergebnis der Tests war in dieser Woche in den Sendungen Quarks & Co. (WDR 3) und W wie Wissen (ARD) zu sehen: Keiner der Kandidaten konnte seine angeblichen Psi-Kräfte unter Beweis stellen. Die Rutengänger, die verborgene wassergefüllte Gefäße aufspüren sollten, waren nicht besser, als bei zufälligem Raten zu erwarten gewesen wäre. Am besten schnitt noch Peter Schick ab, der behauptet hatte, den Geschmack von Leitungswasser durch psychische Energie verändern zu können: In der ersten Versuchsreihe konnte er in 34 von 50 Blindtests behandeltes von unbehandeltem Wasser unterscheiden – statistisch zu erwarten gewesen wären nur 25. Allerdings konnte er dieses Ergebnis im zweiten Test nicht wiederholen, da gelang ihm die korrekte Identifizierung nur 22-mal.

Der Magier Randi macht sich gern lustig über die Menschen, die sich um seinen auf einem Sperrkonto deponierten Millionenpreis bewerben – etwa die beiden Brüder aus Dubai, die behaupten, dass sie es sind, die jeden Morgen die Sonne aufgehen lassen. Die deutschen Skeptiker legen Wert darauf, die Zeitgenossen nicht vorzuführen, die in vollem Vertrauen auf ihre übernatürlichen Kräfte zum Test erscheinen und dann durchfallen. Das Protokoll wird bis ins Detail mit den Kandidaten abgesprochen, und ihnen wird mehrfach ans Herz gelegt, den Versuch vorher zu Hause auszuprobieren, um sich Enttäuschungen zu ersparen. Aber auch das negative Resultat kann den Wunderglauben der meisten nicht erschüttern: Lediglich einer der 15 Getesteten hegte nachher Zweifel an den eigenen Fähigkeiten, berichtet GWUP-Geschäftsführer Martin Mahner – die anderen suchten und fanden irgendeine Erklärung für ihr Versagen.

Spektakuläre Herausforderungen wie der Randi-Preis ziehen natürlich vor allem die Spinner und Außenseiter an, die Vertreter der wissenschaftlichen Parapsychologie beteiligen sich an einem solchen Spektakel nicht. Aber auch sie können keine handgreiflichen Ergebnisse vorweisen. Gehen den Skeptikern die Gegner aus? Die deutsche Gruppe will sich in der Zukunft vor allem die allerorts sprießenden Methoden der Alternativmedizin vorknöpfen. So planen sie eine große Studie zur Homöopathie, die nach strengem wissenschaftlichen Protokoll gemeinsam mit den Anhängern der Verdünnungs-Lehre durchgeführt wird. Sie soll endlich klären, ob dahinter mehr steckt als eine Placebo-Wirkung.