DIE ZEIT: Der amerikanische Wahlkampf geht dem großen Finale entgegen – und es fällt auf, wie oft in der Berichterstattung Metaphern der Schauspielkunst auftauchen: Die Fernsehdebatten zwischen Bush und Kerry wurden von ihren jeweiligen Regisseuren bis ins letzte Detail "geprobt" und "inszeniert", so wie vorher schon die Parteitage der Demokraten und der Republikaner. Wie schätzen Sie die schauspielerischen Fähigkeiten der Kandidaten ein?

Tom Hanks: Den ganzen Sommer über hat Bush, sooft er konnte, seine Krawatte abgenommen und die Ärmel hochgekrempelt. Er sah meistens so aus, als ob er gleich ein paar Heuballen heben geht und die dann aufeinander stapelt. Das war insgesamt eine starke Präsentation, sehr gut produziert.

ZEIT: Und Kerry?

Hanks: Sowohl Bush als auch die Demokraten erinnern mich bei ihren Wahlveranstaltungen immer ein bisschen an die Auftritte der Kommunisten vor dem Lenin-Mausoleum – es ist alles ein großer Fototermin, die ganz große Bühnenshow. Bei diesen Veranstaltungen müssen sie immer genau die richtigen Formeln sagen, man macht ein bisschen die Gegner runter, meidet die Themen, die einem unangenehm sind, konzentriert sich auf die eigene Aussage – und redet, redet, redet.

ZEIT: Bush macht auf viele seiner Gegner den Eindruck eines 16-jährigen Halbstarken, der unentwegt versucht, tough zu wirken. Das macht er inzwischen schon so lange, dass es fast echt wirkt.

Hanks: O ja, das kann er richtig gut.

ZEIT: Nehmen Sie ihm die Rolle ab? Oder sehen Sie in ihm vor allem den Schauspieler?