opel Erst 20000, jetzt 10000, bald nur noch 6000?

Am Zaun des Bochumer Opel-Werkes treffen sich Menschen voller Wut und Angst. Den Betriebsräten scheint der wilde Streik zu entgleiten

Eigentlich wollte Peter Jaszczyk am vergangenen Freitag sein neues Auto abholen. Einen Meriva. Doch daraus wurde nichts. Aufgebrachte Automobilarbeiter blockierten bei Opel in Bochum die Tore, protestierten gegen die angekündigten Stellenstreichungen. Schon am frühen Morgen erhielt Jaszczyk einen Anruf aus dem Werk. Er kam trotzdem. Ehrensache, bis vor eineinhalb Jahren war er Betriebsratschef in Bochum. Die letzten Aktionen dieser Art hat er noch selbst koordiniert, oft kam es zum Streik bei Opel in Bochum. »Wir waren stolz und streitbar wie die Spanier«, sagt der 61-jährige Vorruheständler.

Inzwischen sind auch Arbeiter aus anderen Opel-Werken nach Bochum gereist und demonstrieren dort eine schon lange nicht mehr gesehene Solidarität. Neben ihnen tauchen sogar Vertreter ultralinker Parteien auf. Und viele Opel-Rentner, für die es Ehrensache ist, dabei zu sein.

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Sie stehen am zugigen Fabrikzaun oder suchen Zuflucht bei Buletten und Bier in der nahe gelegenen Bürgerklause. »Ich kenn alle wieder«, begrüßt Wirt Rudi Schirmacher die Stammgäste von einst in der mit Kümmerling-Fläschchen dekorierten Kneipe. Seit 1962 steht er gegenüber von Tor4 am Tresen. Damals entstand die Auto-Fabrik auf dem Gelände einer früheren Kohlengrube. Eine Fertigungshalle nach der anderen wurde gebaut, das Werk wuchs, galt als Muster gelungenen Strukturwandels. Ehemalige Kumpel standen bei Opel am Band, bald auch Bäcker, Friseure und Schuster, erinnert sich der Wirt.

Auch Günter Zatzkowski, auf der anderen Seite des Theke, erinnert sich. »Damals habe ich für 3,52 Mark die Stunde drüben angefangen, das Bier kostete bei dir noch 20 Pfennig«, sagt der Gast. Die beiden lachen, aber nur kurz. Denn Zatzkowski, der Rentner, hat einen Sohn, der bei Opel Cockpits montiert. Und weil es Regionen gibt, wo die Lohnkosten heute fast so niedrig sind wie in Bochum vor 40 Jahren, muss der junge Zatzkowski jetzt um seinen Job bangen. Im polnischen Gleiwitz etwa arbeiten Monteure für einen Bruchteil der deutschen Stundenlöhne, und selbst das Werk im schwedischen Trollhättan produziert günstiger.

1929 kaufte der amerikanische General-Motors-Konzern (GM) die Mehrheit des deutschen Traditionsunternehmens Opel, kurz zuvor hatte er sich schon die englische Marke Vauxhall einverleibt. Ein halbes Jahrhundert später kam Saab aus Schweden dazu. GM betreibt Werke in Belgien, Portugal und Spanien; nach dem Ende der politischen Eiszeit bauten Opel-Ingenieure für GM auch Werke im thüringischen Eisenach und polnischen Gleiwitz auf, wo ebenfalls die Marke mit dem Blitz montiert wird. Doch die Manager hatten den Markt überschätzt oder vielleicht auch ihre eigenen Marken. Einst war mehr als jedes fünfte deutsche Auto ein Opel, heute ist es noch jedes zehnte. Die Folge hieß: Kapazitätsüberschuss. Es folgten mehrere Kürzungswellen, auch in Bochum. Statt der einst mehr als 20000 Menschen arbeiten heute noch knapp 10000 dort. Nun sollen auf einen einzigen Schlag weitere 4000 Jobs eingespart werden.

Bis heute ist Bochum, wo einst die Bestseller Kadett und Manta produziert wurden, der größte europäische Produktionsstandort des amerikanischen Konzerns. Gleichzeitig ist das Ruhrgebietswerk inzwischen aber auch das älteste und teuerste. Momentan hat das Werk noch Arbeit, die Arbeiter montieren den Golf-Rivalen Astra und den Minivan Zafira. Doch demnächst wird der Zafira auch in Polen gebaut. Und was ist mit der nächsten Zafira-Generation, die spätestens 2009 ansteht? Wird Bochum diesen Auftrag noch bekommen?

Stündlich werden Appelle zur Mäßigung übermittelt

Stündlich wurden am Wochenende über Funk und Fernsehen Mäßigungsappelle nach Bochum übermittelt: Nicht nur Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement erinnerte daran, dass die Konzernführung in Detroit das Treiben kritisch beäugt. Auch Ministerpräsident Peer Steinbrück riet zur Rückkehr ans Band. Und selbst Vertreter der IG Metall warnten vor Konsequenzen.

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