An den genauen Tag wird sich Norbert Eichstädter 45 Jahre später nicht erinnern, wohl aber an das Wetter, es ist warm, die Sonne scheint, und der Ball fliegt weit hinaus auf den linken Flügel.

Dort steht Dietmar Hopp.

Er steht nah an der Torauslinie. Viel zu nah, um zu schießen. Hopp müsste flanken. Hopp flankt nicht. Er schießt. Aus unmöglichem Winkel fliegt der Ball aufs Tor zu, aber er fliegt nicht vorbei, sondern über den springenden Torwart hinweg, und: knapp unter der Latte ins Netz. "Das war typisch für den Dietmar", sagt Eichstädter. "Der hat immer den direkten Schuss versucht, immer volles Risiko." Vielleicht ist es das Einzige, was Hopp damals von seinen Mitspielern unterscheidet. Außer der Sache mit der Million natürlich.

Er sagt zu seiner Mutter, er wolle einmal Millionär werden.

Sie sind junge Burschen, keine 20 Jahre alt. Spielen vor ein paar Dutzend Zuschauern auf einem lehmigen Platz, auf dem kaum Gras wächst, tragen ausgelatschte Fußballschuhe, die sie zu Hause am Holzofen trocknen, waschen sich nach dem Spiel mit kaltem Wasser aus einer alten Badewanne. "Wir hatten halt nicht viel Geld", sagt Eichstädter. Das Wirtschaftswunder hat im Kraichgau, südlich von Heidelberg, gerade erst begonnen, damals, Ende der Fünfziger, als Norbert Eichstädter und Dietmar Hopp, beide Jahrgang 40, für die TSG Hoffenheim Fußball spielen.

Eichstädter wird Gipser. Viereinhalb Jahrzehnte lang arbeitet er auf dem Bau, bis seine Bandscheiben nicht mehr mitmachen und er in Rente geht.

Hopp wird Milliardär. Am 1. April 1972, zu einer Zeit, als Computer noch Großrechner heißen, gründet er im badischen Städtchen Walldorf, nicht weit von Hoffenheim, mit vier Kollegen und null Angestellten einen kleinen Betrieb namens Systemanalyse Programmentwicklung, den sie später unter neuem Namen zum Konzern aufbauen: SAP. Heute hat das Unternehmen 31000 Angestellte. Macht im Schnitt knapp drei neue Arbeitsplätze am Tag. Jeden Tag, seit 30 Jahren. "Die SAP ist nicht nur eine Firma", schrieb das manager magazin einmal, "sie ist ein Beschäftigungsprogramm." Und inzwischen das drittgrößte Software-Unternehmen der Welt, nach Microsoft und Oracle.