was bewegt... Dietmar Hopp?Seite 5/5

Der Exmannschaftskamerad Eichstädter, der Medizinprofessor Hoffmann, der Mitgründer Tschira, der ehemalige Konzernsprecher Pfister, die Arbeitnehmervertreterin Classen – man muss eine Weile suchen, bis man jemanden findet, der eher kritisch über den Unternehmer und Stifter Dietmar Hopp spricht.

Wilfried Weisbrod ist so jemand. 47 Jahre alt, ein alter Walldorfer, er ist in der Kleinstadt aufgewachsen, er lebt noch heute dort, für die Grünen sitzt er als Fraktionschef im Stadtrat. Er sagt, er kritisiere weniger die Person Hopp als die Rolle, die er spielt, als der reiche Mensch von Walldorf.

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Vor der letzten Bürgermeisterwahl deutete der SPD-Kandidat an, dass man nie wissen könne, ob SAP vielleicht irgendwann übernommen werde oder gar abwandere. Hopp regte sich darüber so auf, dass er eine ganzseitige Anzeige im Gemeindeblatt schaltete, um die Wahl des SPD-Mannes zu verhindern, der dann in der Stichwahl verlor.

Vor zwei Jahren bürgte Hopp mit dem Vermögen seiner Stiftung für Bernhard Termühlen, damaliger Vorstandschef des Finanzdienstleisters MLP, der durch den Sturz der MLP-Aktie ein wenig Schwierigkeiten mit seiner Bank hatte. Hopp stellte schriftlich klar, dass er im Ernstfall mit seinem Privatvermögen einspringe, der Stiftung also keinerlei Nachteil entstehe. Trotzdem verdächtigte ihn die Staatsanwaltschaft, er habe das Vermögen der Stiftung veruntreut und ordnete vergangenes Jahr eine Hausdurchsuchung an. Dass daraufhin Beamte sein Wohnhaus und sein Büro bei SAP durchwühlten, verärgerte Hopp so sehr, dass er eine weitere Stiftung gründete, Pro Justitia, die sich nun gegen staatsanwaltschaftliche Willkür einsetzen soll.

Hopp, sagt Weisbrod, sei ein Mann, der mit seinem Geld hier eine Firma vor der Insolvenz rettet, dort eine Schule unterstützt, sich als Helfer geriere, »das ist ja auch zu begrüßen«, wenn es dann aber einmal nicht so laufe, wie er es für richtig hält, »dann steht er nicht darüber, dann schreitet er ein, mit seinem Geld im Rücken«. Hopp sei letztlich der einfache Mensch aus Hoffenheim, aus der Provinz, geblieben.

Es ist dies eine Aussage, die vielleicht gut zu dem Vergleich mit dem Patriarchen passt, den Helga Classen zieht. Denn beide Wörter, Provinzmensch und Patriarch, hört man oft in Deutschland, wenn von erfolgreichen Unternehmern die Rede ist. Fast immer geht es dabei um Mittelständler, die irgendwo auf dem Land sehr profitabel Socken, Dübel oder Türklinken produzieren. Meist fühlen sie sich von Bürokraten behindert, und ihre Maßstäbe setzen sie lieber selbst, statt sich auf Managementlehrbücher zu verlassen.

Niemand hat es in den vergangenen Jahren geschafft, mit einer solchen Selfmade-Strategie einen Weltkonzern aufzubauen. Ein Unternehmen, das Entwicklungsabteilungen in Bangalore (Indien) und Palo Alto (USA) unterhält, das als erstes deutsches Technologieunternehmen an die New York Stock Exchange ging und in dessen Zentrale Mitarbeiter aus 80 Nationen arbeiten. Niemand. Außer Dietmar Hopp.

 
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