irak Gottes verfolgte KinderSeite 2/2
40000 der rund 750000 Christen haben seit Beginn der Besetzung das Land bereits verlassen, sagt die Ministerin für Migration, Pascal Warda. Sie ist die einzige Vertreterin der Christen in der Übergangsregierung. Die meisten sind nach Jordanien oder nach Syrien geflüchtet. Dort warten sie bessere Zeiten ab. Wer kann, geht zu Verwandten nach Schweden oder Australien, wo es bereits christlich-irakische Gemeinden gibt.
Die Angriffe auf Christen sind für Mesopotamien keine Neuigkeit. Die Geschichte bietet dafür viele Beispiele. Der grausame Saddam Hussein aber hatte gegenüber der Minderheit ein gewisses Maß an Toleranz gezeigt. Sein Vize, Tarik Aziz, war ein Christ und damit eine Art Garant für seine Gemeinde. Die meisten Christen gehören den Chaldäern an. Sie respektieren den Papst in Rom, haben aber keine Verbindungen zu ihm. »Wir haben«, sagt ein irakischer Prälat, »immer die Freiheit des Kultes, aber nie die Freiheit der Religion gefordert.« Der Prälat behauptet, das Christsein heute im Irak sei eher eine Art »Stammeszugehörigkeit« als Ausdruck der Zugehörigkeit zu einer Kirche. Das hat im Irak Tradition.
Jetzt wird genau dies ganz unvermutet zum Problem. Seit der Besetzung sind viele amerikanische christliche Sekten ins Land gekommen. Unter dem Deckmantel der Nichtregierungsorganisationen versuchen sie, neue Jünger zu gewinnen. Im Tausch für die Konvertierung bieten sie humanitäre Hilfe an. Auch das ist – wenn man so will – eine Art Erpressung. Wer sich von den amerikanischen Sekten überzeugen lässt, der rechnet nicht nur mit der Gnade Gottes. Er hofft, in die USA emigrieren zu können.
Aus dem Italienischen von Ulrich Ladurner
- Datum 21.10.2004 - 14:00 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Serie sgrena
- Quelle (c) DIE ZEIT 21.10.2004 Nr.44
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:



