FernsehwehSeite 4/4
Gerade deshalb muss sich das deutsche Fernsehen darauf einstellen, dass die Menschen Bilder, Nachrichten, Geschichten anders wahrnehmen, sonst geht es ihm wie Karstadt. Es muss verstehen, dass es eine Sehnsucht gibt, nach Qualität, nach wahrem Witz, nach Zweifel, Sinn und Deutung. Und bitte schön: Niveau ist nicht gleich Langeweile. Die Verfilmung der Klemperer-Tagebücher war langweilig, nicht intelligent. Die öffentlich-rechtlichen Sender müssen erkennen, dass sie nicht einfach weiter die Gebühren erhöhen können und dabei jeden Kredit verspielen, weil sie nicht in der Lage sind, ein Programm für die zu machen, die immer noch die Mehrheit der Bevölkerung sind. Eine Mittelschicht, die vor allem ernst genommen werden will.
Wo ist also die neue Serie, in der Oskar Roehler von den Krisen seiner Altersgenossen erzählt? Wo ist der neue Georg Stefan Troller, der so subjektiv und aufregend aus fremden Städten, Welten, Wohnzimmern erzählt, dass es schon fast Literatur ist? Wo ist der neue Dietl? Wann läuft die nächste Serie von jemandem wie Wolfgang Menge? Warum gibt es keine Krimiserie mehr wie einst Schwarz-Rot-Gold? Wo ist der Film, der, ja, auch Aids, Terror und sozialen Abstieg behandelt? Wo sind die Sendungen, die die Schönheit und die Wirrnis unserer Tage feiern?
Es wäre schön, wenn nur einige dieser Wünsche in Erfüllung gingen. Wir würden so gerne wieder einschalten.
Mitarbeit: Matthias Kalle und Paul Raabe
- Datum 21.10.2004 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 21.10.2004 Nr.44
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