Ganz Berlin ist voll mit Reklame für den iPod. Überall hängen Plakate. Ein iPod ist ein kleines Elektronengehirn von Apple, in das man Musik hineintun kann. Ich möchte mir ganz gerne einen iPod kaufen. Musik finde ich meistens gut. Ich glaube fast, ich habe eine musische Ader. Der iPod soll besonders leicht zu bedienen sein. Das ist mir wichtig, denn eine technische Ader besitze ich in keinster Weise. Angeblich ist der iPod "Kult". Das ist mir allerdings gleichgültig.

Also bin ich, vor Wochen, zu Karstadt in der Wilmersdorfer Straße gegangen. Der Verkäufer sagte, dass sie keine iPods führen. In dem Moment habe ich als erster deutscher Entscheider geahnt, dass die Firma Karstadt bald wirtschaftliche Probleme bekommt. Da bin ich halt zu einem Fachgeschäft. Der Fachverkäufer sagte, iPods würde es nur in ganz bestimmten, anderen Fachgeschäften geben, er wusste aber nicht, in welchen. Er hatte auch schon gelesen, dass sie Kult sind.

Im Appleshop hieß es: "Wir Appleshopleute haben nur Laptops. Keine iPods." Da war ich schon total sauer. Ich bin noch nie einem käuflichen Gegenstand so nachgelaufen, außer damals mal Kokain. Aber im KaDeWe hatten sie tatsächlich einen Extrastand für den iPod! Die Regale waren leer. Das habe ich zuletzt in der DDR gesehen. Der Verkäufer sagte: "Es ist uns extrem peinlich, wir haben hier extra diesen Extrastand, aber Apple kommt mit der Produktion nicht nach."

Ich ging zum Nachbarstand. Eine Dame verkaufte andere so genannte MP3-Player. Sie sagte: "Die anderen MP3-Player können das Gleiche wie der iPod, nehmen Sie diesen hier, da gab es noch nie Reklamationen." Also kaufte ich den Player, bei dem es noch nie Reklamationen gab. Zu Hause merkte ich, warum. Mit einem Verstand, wie ich ihn besitze, ist die Gebrauchsanweisung nicht ansatzweise zu begreifen. Ich könnte gar nichts reklamieren, weil ich überhaupt nicht verstehe, worum es geht.

Am Abend ging ich, immer noch total sauer, zu Bertelsmann. Bertelsmann zeigt Unter den Linden führenden deutschen Journalisten immer kostenlos Filme, das finde ich wenigstens mal okay. Vorher werden Süßigkeiten gereicht. Ich nahm Erdnüsse. Sie waren in Folie eingeschweißt. Neben mir stand der Chef eines Fernsehsenders. Er sagte: "Die Erdnüsse sind ohne Schere nicht aufzubekommen. Glauben Sie es. Ich habe alles probiert." Ich fragte: "Haben Sie es auch mit den Zähnen versucht?" Er sagte: "Auch mit den Zähnen." Dann stellten wir uns einen Mann vor, einen wie uns, sportlich, intelligent, gute Zähne, der sich verirrt, sagen wir in der Wüste, er findet ein Wasserloch, aber hat nichts zu essen und ist am Verhungern.

Da landet vor ihm, aus einem Flugzeug abgeworfen, eine Kiste Erdnüsse. Vielleicht ist auch ein MP3-Player in der Kiste. Meiner Ansicht nach wird der Mann nicht verhungern. Weil er Wasser hat, wird er versuchen, einige gut eingespeichelte Erdnusstüten im Ganzen hinunterzuschlucken. Er hofft, dass die Magensäfte die Folie zersetzen. Das klappt natürlich nicht, er stirbt an einer Magenkolik. Vorher wirft er noch, total sauer, den MP3-Player in das Wasserloch.