geld-spezial Die Berater kassieren ab
Immer mehr Fondsgesellschaften buhlen um Anleger – trotzdem steigen die Gebühren
Ob in der Ausbildung zum Industriekaufmann oder beim Volkswirtschaftsstudium: Gelehrt wird, dass bei zunehmendem Wettbewerb die Preise sinken. Übertragen auf die Investmentfondsbranche, müsste sich daraus der Schluss ziehen lassen, dass dank der immer stärker gewordenen Präsenz ausländischer Fondsanbieter in Deutschland die vom Anleger zu zahlenden Gebühren beim Fondsinvestment rückläufig sind. Doch weit gefehlt. Es ist genau umgekehrt.
Dass die Kosten beim Fondsinvestment in Form von Ausgabeaufschlag, Verwaltungs- und Depotgebühr eigentlich hätten fallen müssen, zeigt die Entwicklung des Marktes. Mehr und mehr ausländische Fondsgesellschaften drängen auf den deutschen Markt, die Zahl der angebotenen Fonds steigt Jahr für Jahr. Immer öfter können die Anleger bei ihren Banken zwischen den Fondsprodukten verschiedener Investmentgesellschaften auswählen. Nach dem Platzen der Börsenblase sind viele Anleger auf dem Aktien- und Fondsmarkt vorsichtiger geworden. All dies sind Gründe, die schon fast zwingend dafür sprechen, dass die Fondsgesellschaften eigentlich mit günstigen Preisen – sprich: Gebühren – um die Gunst der Anleger kämpfen müssten.
Doch nichts dergleichen ist zu beobachten. So meldet die Fondsanalyse-Agentur Fitzrovia in London, die Gesamtkosten bei den in Deutschland vertriebenen Investmentfonds hätten sich zwischen 1998 und 2003 um rund 20 Prozent erhöht. Die Total Expense Ratio (TER) bezeichnet den Anteil am Fondsvermögen, der jährlich von den Investmentgesellschaften für die internen Kosten, insbesondere in Form der Verwaltungsgebühr, abgezweigt wird. Das bedeutet konkret: Musste ein Privatinvestor vor sechs Jahren bei einer Anlage von 1000 Euro im Durchschnitt aller Fonds noch 14,90 Euro an den Anbieter abtreten, waren es bei gleichem Anlagebetrag im Jahr 2003 bereits 18,10 Euro.
Kaum ging es an der Börse bergab, erklommen die Fondsgebühren deutscher Anbieter immer neue Höhen. Heimlich, still und leise erhöhte die Sparkassen-Investmentgesellschaft Deka zum 1. September 2001 die Verwaltungsgebühren von 30 ihrer damals 180 Investmentfonds. Die Anleger bekamen die Gebührenerhöhungen im Kleingedruckten ihrer Fondsberichte mitgeteilt.
Drei Wochen später zog die HypoVereinsbank-Tochter Activest nach, die immerhin öffentlich zu ihren Gebührensteigerungen stand. Die Ausgabeaufschläge einiger Aktienfonds wurden um ein Viertel von vier auf fünf Prozent erhöht, auch Renten- und Mischfonds verteuerten sich. Am 1. November 2001 erhöhte der zu Allianz und Dresdner Bank zählende Dit die Preise: Die Verwaltungsgebühren wurden laut Presseerklärung auf ein »marktübliches Nivau« angehoben.
Weil es so schön war, hob der Dit ein Vierteljahr später gleich noch die Ausgabeaufschläge an. Fast zeitgleich kündigte die Deutsche-Bank-Investmenttochter DWS eine Erhöhung der Verwaltungsgebühr zum 1. April 2002 an. Etwas länger mit Gebührenerhöhungen wartete die Cominvest – zugehörig zum Commerzbank-Konzern –, doch dort wurden zum 1. Mai 2003 gleich 37 Fonds verteuert, die Verwaltungsgebühr stieg um bis zu 60 Prozent. In diesem Jahr legten bereits wieder Activest und Dit mit neuen Anhebungen nach.
Der Verkauf von Investmentfonds läuft fast immer über Banken
Jüngstes Beispiel ist die zum genossenschaftlichen Verbund zählende Union Investment, die von Oktober nächsten Jahres an Änderungen bei der Verwaltungsgebühr ihrer Fonds angekündigt hat. Zwar werden auch bei einigen Fonds die Gebühren sinken, doch bei den meisten der volumenstarken Flaggschiffe wird der Anleger stärker zur Kasse gebeten als früher. Die Union-Fonds UniGlobal, UniEuroAktien, UniEuropa und UniFonds bringen zusammen rund acht Milliarden Euro Anlagevolumen auf die Waage, alle vier Fonds werden künftig mit 1,2 Prozent statt bislang 1,0 Prozent Verwaltungsgebühr belegt. Damit kassiert die Union Investment allein mit diesen vier Fonds dann rund 16 Millionen Euro zusätzliche Gebühren von ihren Kunden.
- Datum 28.10.2004 - 14:00 Uhr
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- Serie altersvorsorgespezial
- Quelle (c) DIE ZEIT 28.10.2004 Nr.45
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