DIE ZEIT: In diesem Buch reden Sie zum ersten Mal über den Tod Ihrer Mutter. Sie nahm sich das Leben, als Sie zwölf waren. War es eine Therapie, in Eine Geschichte von Finsternis und Licht über dieses Geheimnis zu schreiben?

Amos Oz: Es war posttherapeutisch. Erst als ich in mir keine Wut mehr hatte, keine Wut mehr auf mich selbst, als ich in mir keine Bitterkeit mehr fand, konnte ich über meine Eltern so schreiben, als wären sie meine Kinder. In jenen Tagen, in denen diese Tragödie passierte, waren sie in dem Alter, in dem nun meine Kinder sind. Meine Mutter war damals 38 Jahre alt, jünger als meine Töchter heute.

ZEIT: Haben Sie Erklärungen für diesen Tod?

Oz: Wenn jemand 780 Seiten lesen will, um herauszufinden, wer der Mörder ist, wird er enttäuscht. Ich habe nach keinem Grund und keiner Schuld gesucht, sondern nach der verlorenen Zeit, Les temps perdus, um mit Proust zu sprechen. Ich wollte mir alles noch einmal anschauen.

ZEIT: Ihr Vater bekommt aber ein wenig Schuld ab.

Oz: Ganz ehrlich, nein. Mein Vater war etwas kindisch und fantasielos, aber zugleich ein sehr sanfter und großzügiger Mann. Es gab eine Zeit, da war ich ihm sehr böse. Als ich dieses Buch schrieb, war das vorbei. Es geht um das Mysterium, wie eine Ehe von ganz und gar guten Menschen, die weder obsessesiv noch verrückt sind, kaputtgehen und ein so tragisches Ende nehmen kann.