Roman Ein Irrgarten der ErkenntnisSeite 2/2
Eine Beobachtung im Gras, ein Ton, ein Geruch – schon knüpfen sich daran Momente von früher. So entsteht ein Gewebe aus genau gesichteter Gegenwart und gefühlter, geschmeckter Vergangenheit. Beckersche Identitätsgründung durch Wiedervereinigung der beiden auseinander driftenden Möglichkeiten eines schreibenden Künstlers: des schauenden und des träumenden, des hell die Gegenwart wahrnehmenden und des gern in den Dämmer der Vergangenheit zurücktauchenden. Becker findet für diese Doppelung, diese ewige Wiederholung im Lebenslabyrinth ein so banales wie kräftiges Bild: »An der Haltestelle, die auf freiem Feld lag, stieg der Mann, der vorne aus dem Omnibus geklettert war, hinten wieder ein.«
Wir lesen also ein Tagebuch von Stunden auf dem Land – und finden uns in einem schön verwirrenden Roman. Wir vertiefen uns in einen Doppelgängerroman (»Micha = Achim«, »Jürgen = Jörn«: »Wie heißt er denn nun wirklich?«) – und werden gelockt in einen verführerischen Irrgarten der Selbsterkenntnis.
Schnee in den ArdennenRoman | JournalromanBelletristikJournalromanJürgen BeckerBuchSuhrkamp Verlag2003Frankfurt a. M.19,90186- Datum 28.10.2004 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 28.10.2004 Nr.45
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