Frau Radisch wird nicht müde, die Stoßrichtungen des Jelinekschen Werks ins Regionale, spezifisch Österreichische zu dirigieren, das im Grunde nur für die Österreicher und gerade noch die Bayern nachvollziehbar sei. Eine, Schock lass nach, unerschrockene Heldin des innerösterreichischen Widerstands erhält den Nobelpreis! Das ist armselig. Zumal ein wesentlicher Aspekt unterschlagen wird, den ich, ohne die literarischen Qualitäten der Nobelpreisträgerin noch einmal zu nennen, nun doch gerne anbringen möchte: Elfriede Jelinek schreibt über die Verhältnisse der Macht. Ihre Radikalität ergibt sich aus der Schärfe ihres Verstands und dem Mut (und Vermögen) zu einer Sprache, mit der sie diese Verhältnisse gnadenlos bloßstellt. Daraus folgt das Unbehagen mit dieser Frau und nun auch das Kopfschütteln in Richtung Stockholm.

Im Übrigen: Ist DeLillos Underworld etwa kein Heimatroman, wenn wir bei diesem von Iris Radisch gewählten Begriff bleiben wollen? Polemisch zurückgefragt: Zeichnet sich nicht jede Weltliteratur dadurch aus, dass sie vor allem auch lokal ist?

JACQUELINE CSUSS, WIEN

Ms. Radisch zählt Roth, Mayröcker, Les Murray, Pynchon, Don DeLillo, Updike, Oates, Bitow zu den bedeutendsten Schriftstellern der Welt. Ich möchte widersprechen. Weder Murray, Pynchon, DeLillo, Updike noch Oates gehören auf die Liste. Roth vielleicht früher einmal. Mit Sicherheit ziehe ich Mayröcker Jelinek vor. Peter Handkes Werk jedoch überragt sie alle bei weitem.

MICHAEL ROLOFF, VISITING SCHOLAR, GERMANICS UNIVERSITY OF WASHINGTON, USA