Warum 90 Prozent aller Internetbenutzer denselben Browser benutzen, wissen die meisten Surfer selbst nicht so genau. Bequemlichkeit und Unkenntnis mögen die Gründe sein, außerdem die Angst, an einem funktionierenden Computer etwas zu verändern. So kam es, dass der verbreitete „Internet Explorer“ von Microsoft zwar immer wieder wegen auftretender Sicherheitslücken in die Kritik geriet, sein schwindelerregender Marktanteil jedoch stets gesichert war.

Seit heute aber wird an der Vormacht des Microsoft-Browsers ernsthaft gerüttelt. 19 Monate frickelte die weltweite Open-Source-Community um das Softwareprojekt Mozilla an der Programmierung eines neuen Browsers, und mit mehr als 300 Partys feiert sie heute den offiziellen Launch: Firefox 1.0 steht auf den Servern von Mozilla zum kostenlosen Download bereit: www.mozilla.org

Wer sich mit etwas Geduld in den Download-Bereich durchgeklickt hat, findet dort Firefox in nicht weniger als 14 Sprachversionen vor, darunter natürlich auch auf Deutsch. Firefox ist ein Leichtgewicht: Nur 4,5 Megabyte wiegt die Installationsdatei. Man muss längst kein IT-Freak mehr sein, um an Firefox und seinem "Mutterbrowser" Mozilla Freude zu finden. Im Gegenteil: In punkto Geschwindigkeit, Bedienung und Schlichtheit kann sich der Explorer mehr als nur eine Scheibe von Firefox abschneiden. Gegenüber der zuletzt veröffentlichten Vorabversion gibt es bei der Version 1.0 kaum noch wesentliche Veränderungen – einige wenige Fehler wurden behoben. Schon in den Vorversionen lobten IT-Experten das schnelle Open-Source-Produkt, das bis heute schon acht Millionen Downloads vorweisen kann. Firefox unterstützt in einem Fenster mehrere Tabulatoren (Tabbed Browsing), bindet diverse Suchfunktionen ein, blockt Pop-ups und ermöglicht eine intelligente Passwortverwaltung.

Der Browser ist also gut gerüstet, um seinen ehrgeizigen Kampf gegen den Internet Explorer anzutreten. Ziel der Mozilla Foundation ist, bis zum Jahresende 2005 mit Firefox einen Marktanteil von zehn Prozent erobert zu haben. Um dieses Vorhaben zu erreichen, hat die Mozilla Foundation vor kurzem eine Spendensammlung initiiert. Mit den eingenommenen 250.000 US-Dollar sollen unter anderem mehrseitige Zeitungsanzeigen in der New York Times erscheinen. Auch in Deutschland ist einiges zusammen gekommen: Für die 40.000 Euro, die durch die Kampagne www.firefox-kommt.de zusammen getragen wurden, soll nun auf Wunsch der Spender eine ganzseitige Anzeige in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung geschaltet werden.

Schon jetzt geben etwa drei Prozent der Internetnutzer an, mit Firefox den Platzhirsch zu jagen. 2.000 Spender halfen, die neue Alternative im Netz mit einer Anzeige publik zu machen. Angesichts dieses schnellen Erfolgs dürfte es sogar Opera, ein kommerzieller norwegischer Browser, der als beliebte Alternative zu Microsoft gilt, schwer haben. Der Erfolg von Firefox überrascht nicht ganz so sehr, wenn man weiß, dass gerade deutsche Internet-Surfer schon in großer Zahl andere Browser benutzen. Etwa 20 Prozent, bei fachlich versierten Usergruppen wesentlich mehr, surfen bereits mit alternativen Produkten. Bleibt zu hoffen, dass sich bald auch der durchschnittliche Surfer des größten Vorteils bewusst wird, den Open Source Produkte mitbringen: des relativ hohen Sicherheitsstandards. Denn jeder, der will und kann, darf jederzeit den Quellcode von Firefox einsehen. Die Chance, dass Fehler übersehen werden, sinkt auf diese Weise enorm. Damit kann sich keine interne Qualitätssicherung messen, auch nicht aus dem Hause Microsoft.

www.mozilla.org/products/firefox/