palästinaJassir Arafat ist tot

Der PLO-Chef ist um 3.30 Uhr in Paris gestorben - Joschka Fischer: "Ende einer Ära"

Mit einer knappen Mitteilung hat der medizinische Dienst der französischen Streitkräfte am Donnerstag den Tode Jassir Arafats bekannt gegeben. "Herr Jassir Arafat, Präsident der Palästinensischen Autorität, ist am 11. November um 03.30 Uhr im Militärkrankenhaus Percy in Clamart gestorben", erklärte General Christian Estripeau. Mit dem Tod des Palästinenserführers im Alter von 75 Jahren geht eine Ära zu Ende: Das Leben Arafats steht für die wechselvolle und tragische Geschichte des palästinensischen Volkes und des Nahen Ostens. Die Palästinenser haben damit mehr als nur ihren Präsidenten verloren. Arafat konnte sich zwar nicht als großer Staatsmann behaupten, aber er war das unzerstörbare Symbol ihres Freiheitskampfes. Nun folgt der frühere palästinensische Ministerpräsident Mahmud Abbas Jassir Arafat an der Spitze der Palästinensischen Befreiungsbewegung (PLO) nach.

Arafat ist weltweit als historische Persönlichkeit gewürdigt worden. Nachrufe und Kondolenzschreiben von Politikern aus aller Welt betonten vor allem die Rolle Arafats als Symbol der Hoffnung der Palästinenser auf einen unabhängigen Staat in friedlicher Koexistenz mit seinem Nachbarn Israel. Bundeskanzler Gerhard Schröder bezeichnete den Tod von Präsident Jassir Arafat als großen Verlust für das palästinensische Volk. In einem Kondolenzschreiben sprach Schröder dem palästinensischen Ministerpräsidenten Ahmed Kureia am Donnerstag sein Beileid aus. "Jassir Arafats Streben war zeit seines Lebens darauf gerichtet, die Palästinenser in die Unabhängigkeit zu führen und einen souveränen, lebensfähigen palästinensischen Staat zu errichten", hieß es in dem Schreiben. Es sei ihm nicht vergönnt gewesen, sein Lebenswerk zu vollenden. "Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren." Der Kanzler bat Kureia, auch den Angehörigen sein Mitgefühl zu übermitteln.

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Bundesaußenminister Joschka Fischer rief die Palästinenser auf, alles für einen geordneten Machtübergang zu tun. "Von zentraler Bedeutung ist dabei eine durch baldige Wahlen legitimierte Führung, die einer gerechten Friedenslösung verpflichtet bleibt", teilte Fischer am Donnerstag in Berlin mit.

Der britische Premierminister Tony Blair hat Arafat als Symbol der nationalen palästinensischen Bewegung gewürdigt. "Er führte sein Volk zu historischer Anerkennung", erklärte Blair nach Angaben einer Sprecherin in London. "Das Ziel eines lebensfähigen palästinensischen Staates an der Seite eines sicheren Israels ist ein Ziel, an dem wir weiter unermüdlich arbeiten müssen." Die internationale Gemeinschaft müsse dem Frieden im Nahen Osten höchste Priorität einräumen, erklärte Blair.

Frankreichs Präsident Jacques Chirac nannte Arafat eine Persönlichkeit mit Mut und festen Überzeugungen. Arafat habe den palästinensischen Kampf für einen eigenen Staat verkörpert, erklärte Chirac in Paris. "Unter Mitgefühl haben wir von dem Tod von Präsident Jassir Arafat erfahren, dem ersten gewählten Präsidenten der Palästinenser-Regierung", hieß es in der schriftlich verbreiteten Erklärung Chiracs.

Währenddessen sieht US-Präsident George W. Bush neue Chancen für den Friedensprozess. Bush sprach von einem "bedeutsamen Augenblick" für das palästinensische Volk in dessen Streben nach Eigenstaatlichkeit in Frieden mit dem Nachbarland Israel. "Wir hoffen, dass die Zukunft Frieden bringt und die Erfüllung der Hoffnungen auf ein unabhängiges und demokratisches Palästina, das im Frieden mit dem Nachbarn lebt", sagte Bush. Außenminister Colin Powell fügte hinzu, die USA würden alles tun, um dieses Ziel zu erreichen.

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