Böse Absicht

von 

Es kann nicht gelingen, es ist noch nie gelungen. Immer wieder geben Wissenschaftler, Publizisten und Politiker der rechtsradikalen Zeitung Junge Freiheit Interviews. Immer wieder sind sie erstaunt über die öffentliche Empörung, die das auslöst, und über den PR-Gewinn, den das Blatt daraus zieht. Jetzt ist dieser Fehler dem ehemaligen Bundesminister und Willy-Brandt-Vertrauten Egon Bahr unterlaufen. Und als die Kritik an seinem Interview einsetzte, sagte er das, was alle immer sagen: dass man sich mit dem rechten Rand auseinander setzen müsse.

Die Frage ist nur, wo. Die JF ist kein Bürgertreff, wo man verirrte Skinheads besozialarbeitet, und nicht das öffentlich-rechtliche Fernsehen, das über Extremisten aufklären soll. Sie ist vielmehr eine Zeitung der bösen Absicht - die besteht darin, auf ihren Seiten möglichst wenig Tatbestände zu erfüllen und doch zu suggerieren: Wir können auch anders. Bildet euch nicht ein, die BRD sei das letzte Wort!

Anzeige

Ausgerechnet dort hat Egon Bahr gesagt: Willy Brandts Kniefall hat deutsche Schuld bezeugt. Aber kein Volk kann dauernd knieend leben. Stammte die Äußerung von einer Tagung der Friedrich-Ebert-Stiftung, man hätte sich vielleicht sogar eine Träne aus dem Auge gewischt. In der Jungen Freiheit aber wird der Satz zur Waffe: Keine Arglosigkeit, kein Patriotismus, kein charmanter Altersradikalismus kann den unsichtbaren Kontext brechen, in den sie ihn mit Wonne stellt.

Zur Startseite
 
Service