Ein Mann legt ein Geständnis ab. Er versucht zu erklären, wie es kam, dass er unschuldig schuldig wurde. Die Sache ist die: Der Mann war einmal ein Diener irgendeines südamerikanischen Schurkenstaates, es gibt da bekanntlich Auswahl. Im Namen des Unrechtsstaates hat er gefoltert, gequält und getötet. Das alles, versichert er, war Teil einer umfassenden "Logik". Bald darauf haben die Vorzeichen der Macht gewechselt, der Mann, der so viele Menschen eingekerkert hat, sitzt im Gefängnis. Mit anderen Worten: Es ist die schreckliche, die uralte Geschichte von der Verletzlichkeit des Rechts, an die uns der ungarische Nobelpreisträger in dieser 1976 entstandenen Erzählung eindringlich erinnert.

Der Fall des geständigen südamerikanischen Folterknechts Antonio R. Martens ist jedoch über das übliche Maß der allfälligen Korruptheit hinaus besonders skandalös. Denn seine Opfer, eine reiche jüdische Familie, waren selbst nach den Maßstäben des Unrechtsstaates unschuldig und wurden nur deswegen liquidiert, weil die Foltermaschinen bereits in Gang gesetzt waren. Ihr Verbrechen bestand lediglich darin, Briefe mit sinnlosen Botschaften befördert zu haben – eine fingierte Beschäftigungstherapie für den aufbegehrenden Sohn, einen grundsympathischen, lebensverzweifelten Kerl, der sich andernfalls einer Widerstandsgruppe verschrieben hätte.

Martens nennt seine komplizierte Geschichte von der Verstrickung in das Unrecht gleichwohl "einfach". Es war sein "Job", die Staatsfeinde zu schlagen und zu foltern, ein Job wie in Guantánamo, wie im Gulag. Das war "in Ordnung", sagt er. In der Ordnung der Macht, die das Recht wie einen Spatzen in der Hand hält. Verstört zeigt sich der Erzähler erst, als die wohlvertraute Unrechtsordnung wie im vorliegenden Fall alle Maßstäbe verliert. Das Unrecht des Allgemeinen entdeckt sich ihm nur in der Absurdität des Besonderen. Als der verhaftete Notar der jüdischen Familie fassungslos zu wissen begehrt, in wessen Namen man ihn, einen treuen Diener des Staates, quält und demütigt, lässt Kertész den übelsten Bösewicht antworten, er vertraue "auf das Verhängnis". Das Verhängnis, mit dem die Leser der Kertész-Tagebücher, insbesondere des Galeerentagebuchs, schon eine lange, traurige Bekanntschaft haben. Auschwitz ist für Imre Kertész kein einmaliger Unfall der Geschichte, sondern ein menschheitsgeschichtliches, zeitübergreifendes Verhängnis, immer und überall möglich.

Ob diese moralische Parabel, deren südamerikanische Maskerade wir vermutlich der ungarischen Zensur der siebziger Jahre verdanken, wirklich, wie verheißen, eine Detektivgeschichte abgibt, sei dahingestellt. Ursprünglich entstanden, um die ungarische Erstausgabe des Spurensuchers voluminöser zu gestalten, liest sich diese Erzählung heute wie ein konzentriertes Lehrstück über die Selbstverständlichkeit und Alltäglichkeit des Amoralismus.