Fernsehen Wie wir hier im Osten so lebenSeite 2/2

Auch Karsten Laskes Drama Hundsköpfe bricht mit Konventionen, allerdings auf ganz andere Art. Besser eigentlich, man weiß vorher nicht, worum es geht. Dann spürt man, mit wie feinen Mitteln hier Spannung aufgebaut wird. Ein etwas zu langer Blick, ein etwas zu lauter Scherz, und es wird immer klarer, dass die vier Männer, die da mit viel Hallo an die Elbe fahren, nicht einfach nur alte Freunde sind. Die vier (Marko Bräutigam, Arnd Klawitter, Axel Prahl, Simon Werner) waren vor dem Mauerfall Grenzsoldaten, und sie haben gemeinsam den Tod eines flüchtenden Kameraden vertuscht. Nun räumen sie Minen im früheren Sperrgebiet – vielleicht als Buße, vielleicht auch nur darum, weil sie nicht wählerisch sein können. Eine Stasi-Akte holt die Affäre ans Licht, und noch einmal eskalieren Misstrauen und Angst.

Man kann diesem Film vieles vorwerfen. Dass er die DDR und ihre Relikte als ein einziges Spukschloss darstellt – trügerisch heimelig hier und da, aber im Herzen aschgrau und brutal. Oder umgekehrt: dass er die Staatsgewalt jener Jahre verharmlost, weil ihn die politischen Voraussetzungen seines Schauermärchens kaum interessieren. Beide Einwände sind richtig und bezeichnen doch bloß die Stärke von Karsten Laskes Werk. Es ist ein Film aus der Halbdistanz. Nah genug, um sein Milieu stimmig zu erfassen. Fern genug, um die Kniffe des Unterhaltungskinos vom Krimi bis zum Horror für seine Zwecke zu nutzen.

Hundsköpfe betritt das Brachland, das Befreite Zone vom Allegorischen geräumt hat. Er zeigt, dass Glaubwürdigkeit auch hier von genauer Inszenierung abhängt und nicht von Herkunft oder Gesinnung. Bleibt nur zu hoffen, dass der Ostwind diese Einsicht auch nach Westen trägt.

»Befreite Zone«: 14.11.04; RBB 22.30 Uhr, ZDF 23.35 Uhr
»NeuFundLand«: 15.11.04; RBB 22.15 Uhr, ZDF 0.10 Uhr
»Outlaws«: 22.11.04; RBB 23 Uhr, ZDF 0.15 Uhr
»Hundsköpfe«: 29.11.04; RBB 23 Uhr, ZDF 0.10 Uhr

 
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