Berlin geht so was von den Bach runter. Berlin ist so was von fertig. Wenn ich durch die Kantstraße laufe, jeder zweite Laden steht leer, die Bürgersteige haben Brandlöcher oder Bombenlöcher, ist ja egal, Verfall, Ratten tanzen Tango, wie die Bronx, dabei ist es eine bürgerliche Gegend, jawohl, bürgerlich war es mal, an den Wedding oder an Moabit mag ich gar nicht denken, Ratten, groß wie Katzen, und es wird schlimmer, pausenlos, freier Fall, der Dritten Welt entgegen, sollen wir auch nach Kleinmachnow ziehen wie alle Medienfuzzis, oder Mitte, im Bezirk Mitte merkt man nix, Berlin-Mitte ist eine Insel, wie ja auch Accra-Mitte oder Kairo-Mitte.

Stopp jetzt. Ich muss ruhiger werden.

Seit 15 Jahren versuchen sie, in Berlin einen Großflughafen zu bauen. Es klappt einfach nicht. Ständig Probleme und Widerstand. Jetzt haben sie versucht, den Flughafen Tempelhof zu schließen. Sie dachten, wenn wir keinen Flughafen bauen dürfen, dann schließen wir wenigstens einen. Es klappt ebenfalls nicht, Probleme, Widerstand. Berlin ist die einzige Stadt der Welt, die gleichzeitig versucht, an der einen Stelle einen Flughafen zu bauen und an der anderen Stelle einen Flughafen zu schließen, und der beides nicht gelingt. Es heißt auch in jedem Winter: Eine Skipiste wird in Berlin angelegt, oder eine Skihalle wird gebaut, so etwas gibt es überall, sogar in Bochum, aber in Berlin scheitert es, Probleme, Widerstand, ganz Berlin ist ja auch Naturschutzgebiet, in seiner ganzen, nach Kloake, Siff und Verratztheit riechenden Totalität gehört es dem Naturschutz, weil überall seltene Kakerlakenarten hausen.

Jetzt soll in Berlin das größte Riesenrad Europas gebaut werden, größer als in London, 175 Meter hoch, in Kreuzberg, auf einem schrottigen Sumpfgelände neben dem Technikmuseum. Angeblich bringt es Touristen und 200 Arbeitsplätze. Angeblich werden Menschen aus Okinawa kommen, um in Kreuzberg Riesenrad zu fahren. Dabei singen sie dann: "Kreuzberger Räder sind groß!"

Das Geld ist vorhanden. 60 Millionen, von irgendwelchen verrückten Holländern. Sie könnten morgen anfangen, zu bauen. Ich sage: "Why not." Aber es geht nicht. Die PDS, die Grünen und die CDU von Kreuzberg sind dagegen. In der Zeitung steht: "Kritiker befürchten, dass die Gegend zum Rummelplatz verkommt." Sie müssten diese Gegend sehen, bei Gott. Sie sieht aus, als ob die Amerikaner Napalm darüber abgeworfen hätten und als ob dort sämtliche Talibankrieger der Welt ihre Notdurft verrichtet hätten, vor dem Napalm oder nachher, ist ja egal. Aber sie soll nicht zum Rummelplatz verkommen! Ich nenne das Wahnsinn. Die ganze Welt verkommt zum Rummelplatz, jeder verdammte Winkel von ihr, bloß nicht das schrottige Sumpfgelände neben dem Technikmuseum. Nein, das entzieht sich als Einziges dem Rummel und gibt sich ganz den Kakerlaken hin.

Die Anwohner befürchten Lärm durch Reisebusse, falls das Rad ein Erfolg wird. Falls das Rad aber ein Misserfolg wird, sagen die Anwohner, dann entsteht Lärm durch Abrissarbeiten.