geldwäsche Einmal Cayman und zurück

Um die kriminelle Herkunft ihrer Gelder zu vertuschen, nutzen Waffenschieber, Drogenhändler und Terroristen die vielen Kanäle des internationalen Finanzsystems. Die Fahnder müssen sich auf immer neue Tricks einstellen

George Town, die Hauptstadt der Cayman-Inseln. Der Ort, in dem immer Sommer ist, empfängt Geld aus aller Welt. Große Summen kann man hier vermehren, liegen lassen, verstecken, waschen, tauschen und weitergeben. Fast 400 Banken und 15000 Firmen stehen dafür im schwülwarmen Klima bereit – bei nur 18000 Einwohnern.

Ortswechsel: Tampere, im Süden Finnlands. Fabrikhallen aus der industriellen Blütezeit ragen in die klare kalte Luft, am Ufer der Stromschnellen, die durch die Stadt rauschen, fischen Angler in Holzfällerhemden nach Lachsen. Hier tagten im Oktober vor fünf Jahren die Regierungschefs der EU und beschlossen, die Geldwäsche fortan intensiver zu bekämpfen. 8000 Kilometer weiter südwestlich, in George Town, rauschten derweil die Wellen an die Uferpromenade, und die Computer von Banken auf der ganzen Welt spülten Dollar und Euro auf die Insel-Konten. Tausende, Millionen, Milliarden. Unermüdlich. Tag und Nacht.

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Solche Ankündigungen wie die des Europäischen Rates sind vor allem eines: hilfloser Aktionismus angesichts einer global agierenden Branche mit gewaltigen Dimensionen, die auch mit neuen Regeln kaum bezwungen werden kann. Im Moment bereitet die Europäische Kommission ihre dritte Richtlinie zur Bekämpfung der Geldwäsche vor, die noch dieses Jahr in Kraft treten soll – dabei ist noch nicht einmal die zweite Richtlinie in allen EU-Staaten umgesetzt.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet vor, dass jedes Jahr zwischen 590 Milliarden und 1,5 Billionen US-Dollar gewaschen werden, etwa 2 bis 5 Prozent der weltweiten Wertschöpfung. Diese Gelder kommen aus der organisierten Kriminalität. Diese breitet sich ständig aus, weshalb das Volumen der weltweit gewaschenen Gelder weiter steigt.

Die Ermittler stehen der Geldwäsche hilflos gegenüber. »Die Bilanz der Geldwäschebekämpfung ist jämmerlich«, stellt Wolfgang Hetzer, Abteilungsleiter im Europäischen Amt für Betrugsbekämpfung, OLAF, stellvertretend für viele andere Beobachter fest. Und der englische Geldwäscheexperte Barry Rider ergänzt: »Der Kampf gegen die Geldwäsche ist verloren.« Aus heutiger Sicht war der Kampf von Anfang an aussichtslos.

Was die organisierte Kriminalität von romantischeren Formen des Verbrechens wie dem Gelegenheitsdiebstahl unterscheidet, sind die hohen Gewinne. Die kriminellen Organisationen müssen dieses Geld waschen, um seine illegale Herkunft zu verschleiern. Ist das Geld einmal legal, kann der Staat es den Verbrechern nicht mehr nehmen.

Die Gelder werden daher, zum Beispiel von Deutschland aus, in den Wirtschafts- und Finanzkreislauf eingeschleust, mehrfach transformiert, transportiert, überwiesen und gewechselt, sodass die tatsächliche Herkunft nicht nachvollzogen werden kann. In dieser Phase des Verschleierns schicken die Geldwäscher das Geld oft um den halben Erdball, um möglichst jede Verbindung zur ursprünglichen Quelle – Korruption, Waffenschmuggel, Menschen- und Drogenhandel – zu kappen. Dabei versuchen sie so wenige Spuren wie möglich zu hinterlassen.

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