geldwäsche Einmal Cayman und zurückSeite 4/4
Nachweisprobleme hin oder her: Banken erstatten anscheinend nicht immer Anzeige, wenn ein Verdacht auf Geldwäsche besteht. Wenn Geld von Offshore-Zentren kommt, können Banken oft nicht unterscheiden, ob hier Geld »nur« an der Steuer vorbeigeschmuggelt werden soll oder ob es sich tatsächlich um Gelder aus der organisierten Kriminalität handelt. Steuerflüchtlinge und Geldwäscher nutzen ähnliche Techniken: Briefkastenfirmen, Nummernkonten, die adrette Gattin mit dem prall gefüllten Geldköfferchen in der Bahn nach Zürich – die Muster sind beinahe identisch. »Die Kunst der Geldwäsche«, erklärt Hafner, »ist, beides zu vermengen.« Denn an der Jagd auf Steuersünder wollen sich Banken nicht beteiligen.
Deshalb liegt die Vermutung nahe, dass Geldinstitute nur die offensichtlichsten Fälle melden, bei denen sich der Geldwäschebeauftragte der Bank seiner Sache sehr sicher ist. Das würde auch die äußerst niedrige Zahl von Verdachtsmeldungen erklären. Zumal die Meldung eines Verdachtes beim Bundeskriminalamt auch den Verlust des betreffenden Kunden bedeutet. Zwar erfährt der Betroffene nichts von der Meldung, aber die Banken kündigen bei Geldwäscheverdacht normalerweise alle Konten, Depots und Geschäftsbeziehungen mit dem Verdächtigen. Gerade bei lukrativen Kunden kann das wehtun.
Ernest Backes, der Clearstream, eine internationale Verrechungsstelle für Wertpapiere in Luxemburg, mit aufgebaut hat und heute Wirtschaftskriminologen ausbildet, zweifelt grundsätzlich an der Integrität vieler Geldinstitute: »Wenn Sie mit zehn Millionen in Scheinen kommen, wird keine Bank Sie ablehnen.« In der Tat erscheinen immer wieder bekannte Banken in den Schlagzeilen, weil sie im Verdacht stehen, die Geldwäsche gefördert zu haben. Allein 2004 ist es neben der amerikanischen Citigroup auch die niederländische ABN Amro. Mitte Juli wurde bekannt, das die Washingtoner Riggs Bank jahrelang alle wesentlichen US-Regeln der Geldwäschebekämpfung missachtet hatte. Besonders pikant: Das auf Geschäfte mit politisch exponierten Personen und Reichen spezialisierte Institut ist die Hausbank des IWF und aller Botschaften in Washington.
Wie aber kann die Bekämpfung der Geldwäsche effektiver gestaltet werden? Auf diese Frage haben die Experten wenige Antworten. Immer wieder wird eine stärkere internationale Zusammenarbeit gefordert. So von Ernest Backes: »Die europäischen Staatsanwälte, aber vor allem die deutschen, haben noch nicht erkannt, dass Wirtschaftskriminalität eine globalisierte Industrie ist.«
- Datum 18.11.2004 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 18.11.2004 Nr.48
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