Es sollte ein richtig netter Abend werden mit leckerem Wein, gutem Essen und entspannten Gesprächen. "Verwöhnen" stand auf dem Programm im "Kleinen Jacob", der Weinstube des Louis C. Jacob, eines der schönsten Hotels und Gourmet-Restaurants in bester Lage an der Hamburger Elbchaussee. Allein die Anreise entlang der Elbchaussee mit wunderschönem Blick auf den beleuchteten Hamburger Hafen lohnt den Besuch. Voller Vorfreude und mit leerem Magen betreten wir das Restaurant und werden gleich ein wenig enttäuscht. Die Bedienung lässt uns im Flur warten, nimmt uns nicht die Mäntel ab und geleitet uns auch noch mit offensichtlich schlechter Laune zu einem Platz weitab vom Fenster, obwohl wir bereits vor einer Woche reserviert haben. Wir geben nicht auf und bestellen die Vorspeisen: mit Schafskäse gefüllte Peperonita, Sardinen, Parmesan, getrocknete Tomaten in Olivenöl und den Wein: einen Sancerre aus dem Jahre 2002.Mit einer neuen Bedienung wechselt auch die Laune. Fortan werden wir von einem freundlichen und zuvorkommenden jungen Herren bedient, der uns den ersten Gang bringt. Es sind keineswegs Sardinen, sondern höchstens zusammengewürfelte heringsartige Fische. Bei den Peperonita handelt es sich um klein geschnittene Paprika neben Stückchen von Schafs- oder Ziegenkäse. Dazu passt der Wein jetzt leider nicht mehr. Das Essen fällt auch etwas schwer, weil mir zuvor schon das Messer weggenommen wurde und ich keine Möglichkeit habe, den Ober um ein neues zu bitten.Und wieder sagen wir uns: Nicht aufgeben. Mein Begleiter wählt den nächsten Wein, einen Chianti Colli Senesi Jahrgang 2001. Der St. Pierre und das Rinderfilet werden serviert . Ersterer schmeckt vorzüglich, bei dem Rinderfilet scheinen die Gewürze vergessen worden zu sein. Als Nächstes wollen wir uns an einem Zinfandel Rosé erfreuen, doch dieser Wein ist aus. Wir greifen zu einem Zinfandel-rot Robert Mondavi von 2002. Eine schlechte Entscheidung. Es handelt sich um einen künstlichen, bearbeiteten, zu stark aromatisierten und überfruchtigen Tropfen für 7,60 Euro für 0,2 Liter. Doch wir kämpfen weiter, und es folgen süßer Flammkuchen mit Äpfeln und ein Muscat de Beaumes de Venise 2001. Er ist genau wie das Dessert: etwas zu leicht und zu wässerig ...Nun kann ja nichts mehr passieren. Wir fragen nach der Rechnung. Kaum in der Hand, wird sie uns gleich wieder weggenommen: Es ist etwas darauf vergessen worden. Kann ja mal passieren.Jetzt aber schnell weg. Die Weinstube ist im Vergleich zum Louis C. Jacob tatsächlich nur ein "Kleiner Jacob".