Da geht noch weniger
Warum der Jungunternehmer Fabian Löw aus Münster Lohndumping per Internet erfunden hat
Sieht so ein Raubtier aus, das seine Beute im Dschungel des Arbeitsmarktes sucht? Fabian Löw ist mit einer Körperlänge von zwei Metern zwar ein Hüne von Gestalt, trotzdem macht der 31-jährige Jungunternehmer aus Münster einen durchaus friedlichen Eindruck. Löw hat viel zu tun, seit er Anfang Oktober mit einer Geschäftsidee auf den Markt gegangen ist, die Interesse und noch mehr Skepsis weckt: Jobdumping.de heißt seine Homepage im Internet. Dort bieten potenzielle Arbeitnehmer und Arbeitgeber um Jobs. Die Idee hat sich als »eBay für den Arbeitsmarkt« schnell herumgesprochen. Fabian Löw ist Erfinder dieser Plattform, zugleich ist er Geschäftsführer und Gesellschafter der Firma JobDumping GbR, die er zusammen mit dem zweiten Gesellschafter und Programmierer, Oliver Heim, betreibt. Das Konzept, das Löw »innerhalb von zwei Tagen« entwickelt hat, steht auf drei Beinen: Bei den »Jobofferten« gibt ein Auftraggeber den maximalen Betrag an, den er für eine Leistung zu zahlen bereit ist. Suchende, die den Job machen wollen, steigen in das Poker ein, indem sie den Preis nach unten schieben. Am Ende der Auktion erhält der Bieter mit dem niedrigsten Angebot den Zuschlag. Bei der »Arbeitskraftofferte« läuft es umgekehrt: Der Anbieter offeriert seine Arbeitskraft für einen Minimalbetrag, der bis runter auf drei Euro für das Eingangsgebot gehen kann. Bieter, die sich den Arbeitnehmer sichern wollen, schrauben den Stundenlohn oder den Pauschalbetrag dann sukzessive nach oben. Die dritte Säule nennt sich »Bewerbungsofferten«: Wer einen Job zu vergeben hat, offeriert ihn, ähnlich einer Anzeige im Stellenmarkt von Tageszeitungen, und erhält eine Liste mit Bewerbern, die er zum Vorstellungsgespräch einladen kann. Während bei den ersten beiden Optionen nach Abschluss eine Provision fällig wird, die sich variabel nach dem Wert der Arbeitsleistung richten soll (zum Beispiel 3,9 Prozent bis zu einem Vertragswert von 100 Euro), ist bei den Bewerbungsofferten eine festgelegte Gebühr von 4,65 Euro fällig. Die Geschäftsidee des westfälischen Duos hat offenbar etwas Anrüchiges: Dumping kommt laut Wörterbuch aus dem Englischen und bedeutet »Warenabsatz unter Marktpreis«. Deshalb hat Löws Idee Kritiker auf den Plan gerufen, die ihm vorwerfen, er nutze die Verzweiflung Job suchender Menschen aus.
Was ist das für ein Mann, der sich so etwas ausdenkt? Ein Profiteur der Rezession? Als solcher sieht sich Löw natürlich nicht. Seinen Firmennamen habe er »als Provokation verstanden«. Seine Überzeugung: »Die Lohnkosten sind im innereuropäischen Vergleich unverhältnismäßig hoch. Sie müssen völlig neu verhandelt werden.« Der Name Jobdumping sei »unternehmernah gewählt«, das Konzept »arbeitgeberfreundlich«.
Bislang hat Löw an der Katholischen Fachhochschule Münster Sozialarbeit studiert. Im kommenden Jahr will er den Abschluss machen. Eine solche Ausbildung sollte Verpflichtung zu christlicher Nächstenliebe sein. Moralische Bedenken hat Löw nicht, vielmehr weist er darauf hin, dass sich alle User verpflichten müssen, das geltende Tarifrecht, Steuerrecht, Arbeitsrecht und Versicherungsrecht einzuhalten. Eine Kontrolle, ob das auch geschieht, gibt es nicht: »Dafür müssen die Behörden sorgen.«
Zurzeit ist bei Jobdumping.de »das Medieninteresse noch höher als das der User«. Beim zügigen Abschied sagt er: »Morgen kommt n-tv, um bei mir zu drehen. Bis dahin muss ich ein repräsentatives Büro vorzeigen können.«
- Datum 18.11.2004 - 13:00 Uhr
- Quelle (c) DIE ZEIT 18.11.2004 Nr.48
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