molekularbiologie Schatz im ErbgutSeite 4/4

Vielleicht steckt in solchen Regulationen auch die Lösung für das Rätsel der Erbsubstanz DNA. »Wir haben nur sieben- bis achtmal mehr Gene als das Darmbakterium Escherichia coli«, sagt Alexander Hüttenhofer, »aber wir sind genetisch sicher 1000-mal komplexer.« Macht eventuell die RNA den Unterschied aus? John Mattick, Genforscher von der australischen University of Brisbane, hält die kleine RNA und alle Gene, die nicht direkt in Proteine umgesetzt werden, gar schon für die wahren Herrscher im Zellkern und für den Motor der Evolution. Erst diese ausgeklügelte Steuerung würde die große Flexibilität des Stoffwechsels höherer Lebewesen erklären, meint Mattick und fordert, man müsse die Genetik neu schreiben.

So weit wollen die meisten Experten nicht gehen. Dennoch meinen viele, dass die Entdeckung der kleinen RNA einen Nobelpreis verdient. Fragt sich nur, wer ihn bekommen sollte. Unüberschaubar viele Forscher haben einen Anteil an dem Durchbruch. Auch der gebürtige Deutsche Hüttenhofer forschte vor sechs Jahren in Münster nach verstummten Genen – allerdings waren seine Forschungsobjekte über 30 Bausteine lang. »Hätten wir damals 21 Nukleotide lange RNAs gesucht«, seufzt er, »dann würde ich nicht in Innsbruck sitzen.« Dann würde er heute am Rockefeller Institute sein statt des Herrn Tuschl. »Aber ich gönne ihm das, er hat das wirklich verdient. Ich mach jetzt die größeren, er die kleineren RNA. Das passt schon.« Wenigstens hat der Molekularbiologe in Innsbruck von seinem Büro aus einen schönen Blick auf die Alpen.

 
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