Lange Beine gelten - zumindest unter Menschen - als sexy oder als Voraussetzung für eine Sportlerkarriere. Ob Pferde ihre Geschlechtspartner nach deren Beinlänge wählen, sei dahingestellt. Doch was den Sport betrifft, so gilt in der Pferdewelt, anders als bei uns, das absolute Mittelmaß als Erfolgsgarant.

Das ist die Schlussfolgerung von Wissenschaftlern des Royal Veterinary College in London, die das Geheimnis des schnellsten Rennpferds aller Zeiten enthüllten. Ihnen zufolge lief der Galopper Eclipse allen Konkurrenten davon, weil seine Beine exakt der Durchschnittslänge entsprachen.

Das sagenumwobene Tier kam 1764 zur Welt, während einer totalen Sonnenfinsternis, der es seinen Namen verdankt. Mit fünf Jahren lief Eclipse das erste Rennen - und ging mit über 100 Metern Vorsprung über die Ziellinie.

Eclipse: Erster, der Rest nirgendwo!, kommentierte der Ansager. Bis heute ist der Geschwindigkeitsrekord des Hengstes ungebrochen - die 7190 Meter lange englische Rennstrecke lief er in 6 Minuten und 4 Sekunden - was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 71,9 Stundenkilometern entspricht.

Nach nur zwei Jahren wollte niemand mehr den Fuchs mit der weißen Blesse und dem weißen rechten Hinterbein auf der Rennbahn sehen. Sein Dauererfolg verdarb die Wettquoten. Zudem galt Eclipse als Exzentriker. Das starrsinnige und kaum zu bändigende Pferd lief stets mit langem Hals, die Nase dicht über dem Boden. Es gab nur einen Jockey, der den Hengst reiten konnte: Er hieß John Oakley und hatte extrem lange Arme.

1771 wurde Eclipse von der Rennbahn verbannt und begann eine zweite Karriere als Zuchthengst. In den folgenden 18 Jahren zeugte er 344 Nachkommen.

Schätzungsweise 80 Prozent aller Rennpferde tragen heute Eclipse-Gene in sich. Sein wohl berühmtester Nachfahre Copenhagen trug 1815 den Herzog von Wellington durch die Schlacht von Waterloo.