Die Siemens-Beschäftigten im nordrheinwestfälischen Bocholt können sich in diesen Tagen nur wundern. Soeben wurde ihr Werk, in dem der Konzern Schnurlostelefone baut, zur Fabrik des Jahres gekürt. Die Juroren der Unternehmensberatung A.T. Kearney und das Fachblatt Produktion befanden, Bocholt sei das Beispiel schlechthin dafür, dass die Fertigung von Massenprodukten nicht nur in Asien, sondern auch in Deutschland funktionieren kann.

Den Bocholter Siemens-Werkern müssen solche Sätze in den Ohren klingen.

Schließlich sind es sie und die Kollegen des nahen Handy-Werks in Kamp-Lintfort, die auf Betreiben des Managements künftig wieder 40 statt 35 Stunden ohne Lohnausgleich arbeiten müssen. Im Gegenzug konnten sie sich ihre von Verlagerung bedrohten Jobs erst mal für zwei weitere Jahre sichern.

Der scheidende Siemens-Vorstandsvorsitzende Heinrich v. Pierer wertet Lohnverzicht und Auszeichnung als Beweis dafür, dass wir mit entsprechenden Vereinbarungen die Zukunftsfähigkeit unserer Standorte nachhaltig absichern konnten. Da bleibt den Bocholtern nur, dass Pierers Nachfolger Klaus Kleinfeld sich an diese hehren Worte erinnert, wenn er den Konzern weiter umbaut. Schließlich will er in der größten Siemens-Sparte Communications, in der auf sein Betreiben gerade die bisher unabhängig agierenden Festnetz- und Mobilfunkbereiche integriert werden, möglichst rasch die mageren Renditen nach oben treiben.