Spiele für Erwachsene.

Das hat er nun davon, der spanische IrakDienst-Verweigerer: George W. Bush ruft nicht an. Mit Schröder hat er inzwischen telefoniert, sogar mit Chirac (man weiß, wie sie über den im Weißen Haus reden). Aber mit José Luis Rodrøguez Zapatero? No! Mit dem Sozialisten in Madrid spielt Bush stattdessen seine Spielchen: Er lässt ihn zappeln. Den bei der spanischen Wahl gedemütigten José Mara Aznar empfing Bush demonstrativ zum 40-Minuten-Plausch im Weißen Haus. Schließlich ist Aznar jetzt Gastprofessor an der Georgetown University. Auch das spanische Königspaar, das nächste Woche privat in den USA weilt, lädt er demonstrativ zum Essen auf die Ranch in Texas ein. Und das Telefonat mit Zapatero? Das werde schon noch stattfinden, lässt Bush einen Regierungssprecher mitteilen. Jetzt hat sich die Zeitung El Paøs eine zusätzliche Variante für das Bush-Spiel ausgedacht: Seine nächste Vorlesung hält Aznar ein paar Tage nach der Inauguration im Januar. Warum sollte er nicht etwas früher reisen und als privater Gast des Präsidenten dabei sein? Kleine Gesten, große Wirkung. Daheim wird Aznars Nachfolger Zapatero so noch zum Helden.

Nur zum Vergnügen.

Eigentlich sah es so aus, dass die Québecois, die frankofonen Einwohner der gleichnamigen Provinz, seit 1997 - damals wurde ihnen in der Declaration of Calgary ihr einzigartiger Charakter verfassungspolitisch zuerkannt - die Loslösung von Kanada offiziell nicht mehr betreiben. Das könnte sich jetzt wieder ändern. Die Zeitung The Globe and Mail berichtet, Jean Charest, der Premier von Québec, sei gemeinsam mit dem französischen Premierminister Jean-Pierre Raffarin zu einem fünftägigen Wirtschaftsbesuch nach Mexiko aufgebrochen. Aus Regierungskreisen in Québec ist zu erfahren, diese so genannte Vergnügungsreise sei nur der Anfang einer Kooperation zwischen der kanadischen Provinz und dem früheren Mutterland Frankreich und habe rein wirtschaftlichen Charakter. Das nächste Ziel von Charest und Raffarin soll irgendwo in Europa liegen.

Ausgezeichnet.

ZEIT-Redakteur Christian Schüle und der Fotograf Dirk Eisermann haben den Hansel-Mieth-Preis für engagierte Reportagen 2004 erhalten. Ausgezeichnet wurden die beiden für ihr Dossier Killer üben Nächstenliebe (ZEIT Nr. 10/04).

Darin wird beschrieben, wie Menschen in Sierra Leone trotz ihrer Bürgerkriegs-Traumata die Aussöhnung organisieren. Mit dem Preis erinnert die Weinstädter Reportage-Agentur Zeitenspiegel an ihr 1998 verstorbenes Ehrenmitglied, die LIFE-Fotografin Hansel Mieth.