Immer wieder haben Designermode und Sport sich gegenseitig inspiriert. Auch wenn dabei häufig nur hybride Lifestyle-Accessoires entstanden sind wie das Sporttäschchen "Christy Bag " , das Marc Jacobs für Puma entworfen hat: zu klein für ein anständiges Paar Turnschuhe. Oder Sneakers, wie sie Paul Smith für Reebok gestaltet hat: edel, aber unbrauchbar auf dem Platz. Wenn ein Topmodel wie Kate Moss auf der französischen Vogue in Sportbustier und passendem Turnhöschen posiert, dann braucht es schon eine Fuchsstola von Gucci, um der banalen Fitness-Optik den nötigen Glamour zu verleihen – ungefähr so authentisch wie Schweiß aus der Sprühdose.

Einer, dem es tatsächlich ernst ist mit der Fusion von Mode und Sport, ist Dirk Bikkembergs. Der belgische Modemacher findet, dass Körperertüchtigung immensen Einfluss auf "unsere von Schönheit, Schlankheit und Gesundheit besessene Gesellschaft" hat. Und: "Im Gegensatz zu Mannequins repräsentieren Fußballer den Geist der Zeit."

Die britische Firma Umbro, Hersteller von Fußballausrüstung und Ausstatter zahlreicher Teams, hat Bikkembergs jetzt als Creative Director verpflichtet. Gegenseitig will man so neue Zielgruppen erschließen, denn der jeweils eigene Markt scheint gesättigt. Im Frühjahr 2005 soll die erste "locker-room"-Kollektion mit dem Bikkembergs-Schriftzug herauskommen, mit der man sowohl auf als auch neben dem Rasen eine gute Figur machen soll.

Der Modemacher, 1959 in Bonn geboren, weil sein Vater dort stationiert war, bewies schon früh Sinn für robuste Materialien und schlichte Ästhetik. Gemeinsam mit Ann Demeulemeester, Dries van Noten, Marina Yee, Dirk Van Saene und Walter Van Beirendock ("The Antwerpen Six") kreierte er Mitte der achtziger Jahre aus groben Stoffen und kastenartigen Formen einen unglamourösen Anti-Look und begründete damit Antwerpens Ruf als Modestadt.

In den neunziger Jahren zeigte Bikkembergs eine Vorliebe für militärische Ästhetik und virile Details wie Schulterklappen, Taschen und Gürtel – bis er die Leibesübungen für sich entdeckte. Bikkembergs brachte eine Sport-Linie mit Turnschuhen auf den Markt, die robust und funktional wirken wie Fußballschuhe, gleichzeitig aber schick aussehen. Er erfand ein Logo, das einen Fußballspieler in Aktion zeigt, und ein Verfahren, um Jeans-Hosen passgenau auf muskulöse Fußballerschenkel zu schneidern. Anschließend schickte er Ballsportler aus unterschiedlichen Mannschaften damit über den Catwalk. An den Beinen der üblichen Models hätte die Kollektion wohl unschön geschlabbert. So aber gab es großes Hallo in der Fachpresse.

Für die Saison 2003/04 entwarf Bikkembergs das Outfit für den Fußballverein Inter Mailand und modernisierte dessen Logo. Die Vertragsunterzeichnung bei einem führenden Fußballartikel-Hersteller war danach nur eine Frage der Zeit. Zumal Konkurrent adidas mit dem Japaner Yohji Yamamoto bereits einen Topdesigner im Boot hatte. Nadja Auermann bekannte sich zu Yamamotos Linie Y-3, Madonna trug Puma, und Umbro schaute im Fashion-Bereich in die Röhre.

Das mag auch am ambivalenten Image der ältesten aller Trendsportarten gelegen haben, die – David Beckham zum Trotz – bis heute das Odeur von Bier und Bratwurst umgibt. Dirk Bikkembergs soll es nun richten. Man habe sich gegenseitig bewundert, heißt es bei Umbro, man teile die gleiche Leidenschaft und den unbedingten Willen, sämtliche Grenzen zwischen Mode und Sport zu überschreiten. Man wolle Tugenden wie Authentizität, Leistung und Integrität vermitteln – Werte also, die in der Modewelt sonst selten vorkommen.

Dirk Bikkembergs erklärt, er plane "eine Kollektion mit Laufschuhen, die man zum Abendanzug tragen kann – eine komplette Garderobe für den sportbewussten Typ, der sowohl Komfort als auch technische Vorzüge erwartet". Fürs Erste habe er aber nur Trikots, Sweatshirts und Jeans fertig. Den passenden Schal muss man vorerst noch im Fanshop seines Vertrauens erwerben.