DIE ZEIT: Herr Sebag, wann sind Sie Suha Arafat zum ersten Mal begegnet?

Gérard Sebag: Bei ihren Eltern in Ramallah, als sie sechs Jahre alt war. Ich hatte meine Laufbahn 1970 mit einem Arafat-Interview in Ramallah begonnen. Damals war das Elternhaus von Suha eine wichtige Anlaufstelle für ausländische Journalisten und Gäste; auch Jean-Paul Sartre, Herbert Marcuse oder Mario Suárez waren dort zu Besuch. Suha entstammt einer wohlhabenden christlichen Bankiersfamilie, ihre Mutter Raymonda Hawa-Tawil ist eine bekannte Journalistin und Feministin in der palästinensischen Nationalbewegung. Als Suha Anfang der achtziger Jahre von ihren Eltern zum Wirtschaftsstudium nach Paris geschickt wurde, empfahl ihr die Mutter, sich an mich zu wenden, wenn sie Rat brauchte. Während ihres Studiums an der Sorbonne hat sie sich regelmäßig bei mir gemeldet.

ZEIT: Nach ihrem Abschluss hat sie in Paris dann Arafat kennen gelernt.

Sebag: Bei seinem ersten offiziellen Paris-Besuch 1989 brauchte Arafat eine Dolmetscherin, die ihn vom Hotel abholt und begleitet. Ibrahim Souss, der damalige PLO-Botschafter in Paris, der mit Suhas Schwester verheiratet ist, empfahl ihm seine junge Schwägerin. Sie gefiel Arafat so gut, dass er sie am Ende des Besuches fragte, ob sie nicht Wirtschaftsberaterin in seinem damaligen Quartier in Tunis werden wolle. Suha war begeistert, für die Palästinenser zu arbeiten. In Tunis wurde sie dann seine Geliebte.

ZEIT: Warum wurde die Heirat geheim gehalten?

Sebag: Die Hochzeit kam erst auf Drängen der Mutter zustande. Als sie erfuhr, dass ihre Tochter die Geliebte Arafats war, fühlte sie sich in ihrer christlichen Ehre getroffen und stellte den PLO-Führer in Tunis zur Rede: Wenn er es ernst meine, müsse er Suha heiraten. Das war eine schwierige Entscheidung für Arafat. Er hatte nicht nur viele andere Geliebte, sondern musste auch den Eindruck aufrechterhalten, einzig mit der palästinensischen Sache verheiratet zu sein. Die Heirat war für die Familie eine moralische Frage, ihre Geheimhaltung durch Arafat eine politische. Suhas Familie hat die Eheschließung zwei Jahre später über die israelische Zeitung Ha’aretz öffentlich gemacht.

ZEIT: Wie wurden die Arafats nach ihrer Rückkehr in den Gaza-Streifen von den Palästinensern aufgenommen?