Kreischende Mädchen, schwitzende Hausfrauen und aufgeregte Jünglinge in viel zu großen Jeans - eigentlich ein Publikum für einen Popstar. Aber es ist Fernsehkoch Tim Mälzer, der in der Karstadt-Filiale an der Mönckebergstraße die Signierstunde für sein erstes Buch mit dem Titel "Born to Cook" abhält. Mit so viel Ansturm hat der 33-Jährige nicht gerechnet."Einen Ohnmachtsanfall hatten wir auch dabei", sagt der gebürtige Elmshorner, dem die Begeisterung um seine Person manchmal unheimlich ist. "Das hab’ ich überhaupt nicht geplant", so Mälzer.

Als er vor ein paar Jahren seinen alten Fußballkollegen vom TC Egenbüttel aus Rellingen, ein Vorort Hamburgs, verriet, er wolle Koch werden, wurde er bespöttelt. Koch, das sei doch was für Mädchen , das habe keine Zukunft und Geld könne damit auch nicht verdient werden. "Da hat sich auch mein Trainer halb totgelacht. Außerdem waren meine ersten Versuche am Herd nicht gerade kulinarische Highlights", gesteht Mälzer.

Nach seiner Ausbildung ging der frisch gebackene Autor für zwei Jahre nach London und arbeitete dort unter anderem mit Englands Kochstar Jamie Oliver zusammen. "Der hat sich immer gefragt, wie ein unmöglich aussehender Typ wie ich so wunderschöne Gerichte auf den Teller bringen kann", sagt Mälzer breit grinsend. Und wer seine Brutzelshow "Schmeckt nicht, gibt’ s nicht" kennt, wo er in schlabbrigen T-Shirts vorm Herd steht und sich fast an der Gasflamme verbrennt, versteht seine Küchen-Philosophie: "Einfach muss das Gericht sein und lecker. Keine komplizierten Sachen, wo du stundenlang vorm Herd stehst und nachher mit dem korkigen Weißwein die Schweine-Innereien verbrennst", betont Mälzer, dessen Lieblingsgericht Spaghetti Bolognese ist.

So sind auch die Rezepte in seinem Erstlingswerk zusammengestellt. "Es ist alles dabei. Vom handfesten Männeressen bis zu Sweeties. Alles durchgetestet von uns", erklärt der Koch. Die 300.000er- Auflage hat der Hamburger, der sich selbst gerne als Prolet am Herd bezeichnet, längst erreicht. "Mein Traum ist es ja, Robbie Williams und den Duden zu übertreffen", sagt er augenzwinkernd.

"Die Menüvorschläge sind toll. Die kann ich nach der Arbeit schnell nachkochen", so Lena Pioch, die ganz hinten in der Schlange vor dem Signiertisch steht und noch keine Fernsehfolge des Kurzgeschorenen verpasst hat. Unter seinen Fans sind auch viele Jugendliche. "Ich engagiere mich für die Kids, unterstütze das Kinderhilfswerk und die NCL-Stiftung." NCL, Neuro-Ceruid-Lipofuszinose, ist eine unheilbare Stoffwechselkrankheit, die zum Absterben von Nervenzellen und zu einem langsamen, qualvollen Tod führt. Für betroffene Kinder richtete der Fernsehkoch kürzlich in seinem Hamburger Restaurant ein Wohltätigkeitsdinner aus. "Mit Kochen kann man eben viel bewirken", so Mälzer.

Übrigens: Sein Lieblingswein zur knusprigen Weihnachtsgans ist ein guter Spätburgunder. "Aber es kann auchn Bier sein ..."