Eine gute Nachricht gefällig? Bitte sehr: Deutschlands 15-jährige Schüler schneiden in der neuen internationalen Pisa-Studie durchgängig besser (richtig gelesen: besser!) ab als in der ersten Untersuchung vor drei Jahren. Hat sich schon jemand darüber gefreut?

Wohl nur in diesem merkwürdig gestrickten Land ist es möglich, dass eine derart frohe Botschaft in den vergangenen Tagen untergehen konnte – in einer wahren Nörgelorgie, die von vielen Medien gefeiert wurde. So entmutigt man genau die Menschen, auf die man bei der Erneuerung unserer Schulen bauen muss. Zum Beispiel jene Mathelehrer, die in den letzten Jahren Fortbildungen besucht haben, um interessanteren Unterricht zu geben. Oder die Schüler, die schon als "Generation Pisa" verspottet werden.

Seit dem Wochenende tobt das neuerliche Schul-Bashing, ausgelöst durch die Vorabmeldung einer Presseagentur ( Deutschland wieder nur Mittelmaß). Die Crux: Erst am 7. Dezember wird die Studie weltweit veröffentlicht. Nicht einmal die Kultusminister kennen bislang die offiziellen Ergebnisse; und die deutschen Bildungsforscher sind bei Androhung hoher Vertragsstrafen bis zur Veröffentlichung zum Schweigen verpflichtet.

So nimmt denn statt eines fundierten Diskurses die deutsche Bildungsdebatte ihren rituellen Lauf: Die FDP fordert zum hundertsten Mal die Abschaffung der Kultusministerkonferenz, Rot-Grün und die Lehrergewerkschaft GEW wettern gegen das gegliederte Schulsystem, wogegen sich Unionspolitiker pflichtgemäß verwahren. Dabei bergen die veröffentlichten Daten von Pisa 2003 (so heißt die Untersuchung nach dem Jahr der Datenerhebung) weitere positive Überraschungen.

Erstens: In den drei "Hauptfächern" Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften fand sich Deutschland bei Pisa 2000 im internationalen Vergleich noch im unteren Drittel der Teilnehmerstaaten. Nun ist es in allen drei Bereichen im Mittelfeld platziert.

Zweitens: In Mathematik konnten unsere 15-Jährigen deutlich zulegen, im Vergleich zu ihren Vorgängern beherrschen sie den Stoff von rund drei Monaten mehr Unterricht. In den Naturwissenschaften ist der Zuwachs noch deutlich größer.

Drittens: Erstmals wird bei Pisa 2003 die Fähigkeit zum so genannten Problemlösen getestet. Und dort landet Deutschland sogar deutlich oberhalb des internationalen Durchschnitts. Es geht dabei um Fragen, die mit Kompetenzen aus verschiedenen Fächern und mit Alltagswissen beantwortet werden müssen, etwa das Auffinden der günstigsten U-Bahn-Verbindung (siehe Aufgabe Seite 82). Für Fachleute ein Beleg dafür, dass deutsche Schüler zum Beispiel in Mathematik noch besser sein könnten, wenn der Unterricht lebensnäher gestaltet würde.