Illustration: Daniel Matzenbacher für DIE ZEIT

Der Zeitpunkt ist gut gewählt. Deutschland diskutiert schon über inoffizielle Ergebnisse der neuen Pisa-Studie, auch wenn diese erst am 7. Dezember veröffentlicht wird. Jetzt legen wirtschaftsnahe Forscher ein neuartiges Ranking vor, das die Bildungssysteme der Bundesländer vergleicht: den so genannten Bildungsmonitor.

Auf den ersten Blick birgt das Ranking keine Überraschungen: Bayern ist Primus und Bremen Sitzenbleiber. Doch der Initiator des Bildungsmonitors , die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), verfolgt einen hohen Anspruch: Die Studie soll eine Art Generalinventur des deutschen Bildungswesens sein. "Wir wollen eine Informationslücke schließen", sagt Tasso Enzweiler, der Geschäftsführer der Initiative. "Bislang existierten jede Menge Einzelergebnisse, doch eine systematische Gesamtübersicht fehlte."

Für die Rangliste verglichen die Forscher 105 Einzelmerkmale, darunter Daten der ersten Pisa-Studie und der Grundschulstudie Iglu, aber auch die Betreuungsrelation im Kindergarten, die Klassengröße in den Schulen oder den Ausländeranteil unter den Studenten. Damit soll gezeigt werden, welche Länder mit ihrer Bildungspolitik am meisten zu Wirtschaftswachstum und Wohlstand beitragen. Denn mit Hilfe der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft machen Arbeitgeberverbände und Persönlichkeiten wie der ehemalige Bundesbank-Präsident Hans Tietmeyer oder der grüne Finanzexperte Oswald Metzger Werbung für einen schlanken Staat und mehr Marktwirtschaft in Deutschland.

Den zweiten Platz des Rankings erreicht Baden-Württemberg. Auch Thüringen und Sachsen schneiden überdurchschnittlich ab, während alle anderen Länder unter dem Mittelwert liegen. Am Ende der Skala finden sich neben Bremen Sachsen-Anhalt und Berlin. "Berauschend sind die Daten aber für kein Bundesland", sagt Oliver Stettes vom Institut der deutschen Wirtschaft, der gemeinsam mit seinem Kollegen Axel Plünnecke die Studie verfasst hat.

Vier Bereiche haben die Forscher vermessen. Erstens, wie es Ökonomen nennen, das quantitative Humankapital. Hier zählen unter anderem Abbrecherquoten und Abiturientenzahlen. Beim "qualitativen Humankapital"betrachten die Autoren die Pisa-Daten, die Klassengrößen oder wieviele Studenten ein Professor betreut. Bei "Ressourceneinsatz und Effizienz" interessieren zum Beispiel die Wiederholerquote und die Höhe der Bildungsinvestitionen. Der vierte Bereich, die "technologische Leistungsfähigkeit und Innovationskraft", wird unter anderem anhand der Zahl der Habilitationen je Professor und des Frauenanteils in den Ingenieurwissenschaften bestimmt.

Akribisch listet der Bildungsmonitor Stärken und Schwächen der einzelnen Bundesländer auf. Plünnecke und Stettes kritisieren Bayerns geringe Abiturientenquote und loben Baden-Württemberg für seine hohe Abiturientenquote bei gleichzeitig hoher Qualität der Abschlüsse. Viel Lob ansonsten für die erstplatzierten Bayern: vergleichsweise hohe Bildungsausgaben, relativ viel Geld für die Forschung, gute Kontakte der Hochschulen zur Wirtschaft. Bremen muss einmal mehr Prügel einstecken: geringe Bildungsausgaben, hohe Wiederholerquoten in der Schule, überalterte Lehrer. Die beiden Wissenschaftler des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln prognostizieren negative Folgen für das Wirtschaftswachstum in den Verliererländern. "Es scheint so, als würden sich die Lebensverhältnisse und Lebenschancen in Deutschland weiter auseinander entwickeln", sagt Axel Plünnecke.

Bildungsforscher begegnen der Studie mit Skepsis, stellt sie doch eine Zusammenfassung bekannter Statistiken dar. "Das ist eine Beschreibung des Status quo", sagt Klaus Klemm, Leiter der Arbeitsgruppe Bildungsforschung/Bildungsplanung an der Universität Essen. "Was einzelne Länder bereits getan haben, um besser zu werden, fällt unter den Tisch."