Helmut Griem

Helmut Griem hätte es ohne weiteres zum Inbegriff des blonden deutschen Filmschönlings bringen können. Er hat es aber nur zum Inbegriff des blonden Nazis gebracht, bei Visconti (Die Verdammten, 1969) oder Bob Fosse (Cabaret, 1972). Er hat auch im deutschen Film, dem er seinen Glamour mit rührender Selbstlosigkeit zur Verfügung stellte, eher problematische, unglamouröse Rollen gespielt, den traurigen Clown Heinrich Bölls zum Beispiel (1976). Er sympathisierte mit den linken Rebellen, noch Deutschland im Herbst (1978) profitierte davon. Griem, kurzum, entzog sich dem Kinoideal der populären Rolle und blieb dem Theaterideal der interessanten Rolle treu. Auf dem Theater hat er denn auch alles gegeben, selbst den schönen Mann, wenngleich gerne in Form eines Nervenbündels (als Prinz von Homburg in Hans Lietzaus Inszenierung von 1972 oder als Tellheim in Dieter Dorns Minna-Inszenierung von 1976). Die Claire in Jean Genets Zofen (1973) legte er so komplex, verzweifelt und herrisch an, dass der schwule Hintergrund des Stückes unerkennbar wurde. Griem war groß, weil er alles ernst nahm, selbst die verstaubtesten Possen (Feydeaus Klotz am Bein, ebenfalls unter Lietzau, 1974), und dabei eine Komik erzeugte, wie sie nur bei pedantischer Perfektion zu erreichen ist. Krönung seiner Rollenkarriere war der Faust in Dieter Dorns Inszenierung von 1987. Auch als Regisseur, vorzugsweise an den Münchner Kammerspielen und dem Wiener Theater in der Josefstadt, hat er auf Handwerk gesetzt, was die Kritiker damals nicht würdigten, heute nostalgisch bewundern. Seine Ernsthaftigkeit hatte etwas von der Nüchternheit sehr schöner Frauen: Kokettieren müssen sie nicht, ihre Attraktivität ist sowieso gegeben. Jetzt ist Helmut Griem im Alter von 72 Jahren in München gestorben.

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