Stucken geblieben

Kunst ist oft am produktivsten, wenn sie gegen etwas ist: Moderne gegen Klassik, Postmoderne gegen Moderne und nun - die Stuckisten gegen die Postmoderne. Stuckisten? Im Jahr 1999 rief die britische Künstlerin Tracey Emin während eines Streites ihrem Freund Billy Childish zu: Your paintings are stuck, you are stuck, stuck, stuck. Das nahm der später verlassene Künstler wörtlich und gründete die Bewegung der Stuckisten, der Steckengebliebenen. Jetzt haben sie ihre erste große Ausstellung: The Stuckists Punk Victorian in der Walker and Lady Art Gallery in Liverpool (bis zum 20. Februar 2005). Die Gruppe (zu der Childish übrigens schon nicht mehr gehört) definiert sich unter anderem darüber, gegen den Turner Prize zu sein, den wichtigsten britischen Kunstpreis, und gegen - Tracey Emin, die einst mit einem ungemachten Bett in der Londoner Saatchi-Galerie für Furore sorgte. Is it a genuine Emin or a worthless fake?, Ist es ein echter Emin oder eine wertlose Fälschung?, fragt ein Mann polemisch auf einem Bild von Charles Thompson, das eine riesige rote Unterhose zeigt. Ein Schild am Eingang der Ausstellung warnt vor Obszönitäten. Doch die Arbeiten - allesamt Gemälde - sind eher spießig: Ein paar Sexualorgane hier, ein paar Blutspritzer dort, es dominiert ein kindlich-naiver gegenständlicher Stil. Am interessantesten sind die Selbstbeschreibungen der Künstler, in denen sie sich zu Ikonen stilisieren. Frisur, Liebesleben, Essgewohnheiten - da steckt am meisten drin und am wenigsten fest.

 
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