islam im westen „Wovor haben diese Männer Angst?“Seite 2/2

Ayaan Hirsi Ali, die Wilders’ Parteiaustritt seinerzeit bedauerte, wird der Dissident kaum zum Wechsel bewegen können. Sie wird im VVD weiter machen, jedenfalls solange alle Beteiligten es aushalten. Kompromisse will sie keine eingehen, hat sie in dem Interview aus dem Exil angekündigt, Anpassung kommt nicht in Frage. Sie wird kein Blatt vor dem Mund nehmen, auch nicht, wenn es Leute in den eigenen Reihen trifft wie Innenminister Johan Remkes, oder Vertreter des Koalitionspartners, einschließlich des Regierungschefs. In ihren Augen sind sie alle Träumer, die sich nach den alten Niederlanden zurück sehnen, wie nach einer schützenden Insel im tosenden Meer. Sie lebten geistig immer noch in einem Art „Madurodam“, womit sie an die putzige Miniaturausgabe eines idyllischen Holland in einem bekannten holländischen Freizeitpark erinnerte. Die reale Welt ist leider anders, meine Herren, lautet ihre Botschaft. Und macht euch nichts vor! Nicht nur der radikale Islamismus ist aus der Sicht Hirsi Alis eine Gefahr für die liberale Demokratie in Europa. „Ich sage: Der reine Islam selbst ist lebensgefährlich.“

Deshalb erteilt sie auch den liberalen Moslems eine Absage und ebenso den niederländischen Reformern, die auf Integration setzen, wie Amsterdams Bürgermeister Rob Cohen (der inzwischen, wie sie nicht vergisst zu erwähnen, selbst starken Polizeischutz braucht). Ob sie an einen "europäischen Islam", also eine Art aufgeklärte Version des Islam glaube, fragte sie der Besucher in ihrem Unterschlupf. Ihre Antwort bleibt unerbittlich wie eh: „Es gibt nur einen Islam, das ist der des Propheten Mohammed und des Korans.“ Also genau der Islam, mit dem sie gebrochen hat. Dem sie den nächsten Film – „Submission 2“ – widmen wird. Und das Buch, an dem sie in der Zwangsruhe der Abschirmung arbeitet: „Abkürzung zur Aufklärung“ (sie benützt den englischen Titel: „Shortcuts to enlightenment“). Der Kampf geht weiter.

Obwohl Ayaan Hirsi Ali natürlich auch gern Ruhe hätte. Ja, sie möchte dazu beitragen – „was in meiner winzigen Macht liegt“ -, dass der Islam überwunden wird. Aber ohne Gewalt. Und ohne sich vor Mordkommandos verstecken zu müssen. Warum ist das so? „Wovor haben diese Männer bloß Angst? Lasst mich in Ruhe Bücher schreiben. Einen Film machen. Lasst mich einfach über die Straße laufen.“

Träume einer kämpferischen Frau. Mit einem Hauch von Sehnsucht nach „Madurodam“.

Das Gespräch von Ayaan Hirsi Ali mit dem NRC Handelsbald erschien auf deutsch, etwas gekürzt im Berliner Tagesspiegel vom 1. Dezember

 
Service