Ein Punkt, der für den zweiten Bridget-Jones-Film spricht: Renée Zellweger, die Hauptdarstellerin, hat auch diesmal 13 Kilo zugenommen. Sie sieht einfach fabelhaft aus. Leider scheint sie das selber anders zu sehen und hat sich gleich nach Drehschluss wieder auf ihr mageres kleines Selbst zurechtgehungert. Ich habe es nicht über mich gebracht, die Pressekonferenz aufzusuchen.

Es ist wirklich sagenhaft, was Frau Zellweger in diesem leider nur recht mittelmäßigen Film mit ihrem Körper macht. Der ganze Film dreht sich eigentlich allein darum, dass diese Schauspielerin witzig, aggressiv, charmant, erotisch ihren aus allen Abendkleidern platzenden Mittdreißigerinnen-Körper über die Leinwand bugsiert. Zellweger spielt eine Frau, die nicht ganz in sich zu Hause ist, und sie tut dies so expressiv, selbstironisch und schamlos, dass es eine Befreiung ist – nicht nur für weibliche Zuschauer.

Renée Zellweger, die zierliche Texanerin, ist eine fantastisch verwandlungsfähige Schauspielerin. So wie Robert de Niro sich für Scorceses Boxerfilm Raging Bull in einen Schwergewichtsathleten verwandelte, wird Zellweger wieder zu jener leicht übergewichtigen Londoner Angestellten, deren zart keimendes Liebesglück unter zu viel Eiskrem und Selbstbeobachtung zu ersticken droht. Wer den ersten Teil gesehen hat, kennt schon die Formel dieser Popversion eines Jane-Austen-Stoffs: Sich selbst per Tagebuch kommentierende Frau mit Ambitionen in Beruf und Liebe stolpert von einer Katastrophe in die nächste und schließlich doch in die Ehe mit dem Traummann Mark Darcey (Colin Firth).

Die Autoren haben mit ungeheurer Chuzpe alle wunderbaren Einfälle des ersten Teils kopiert, minimal variiert und recycelt – das Män-nerduell zwischen dem amoralischen Daniel Cleaver (Hugh Grant) und Darcey gipfelt wieder in einer Schlägerei, Bridget macht sich auch ein zweites Mal vor der ehrenwerten Gesellschaft Londons lächerlich, und abermals bleibt es dem Chor der Freunde vorbehalten, ihr die Augen für ihre eigenen Gefühle zu öffnen. Die Wiederholungen sind so entwaffend dreist, dass es schwer fällt, lange böse zu sein. Der Slapstick ist allerdings so lieblos und erwartbar hingehauen, dass es echten Verehrern des einfachen Humors bloß wehtut.

Wer durchhält, wird mit einigen wunderbaren Situationen belohnt. Als Bridget sich nach einer Liebesnacht mit einem Laken bedeckt, damit Darcey nicht ihre "wobbly bits" zu sehen bekommt, sagt jener in vollendeter Zartheit, es seien aber nun partout jene Stellen, die sich bei ihm "höchster Achtung erfreuen". Zellwegers Versuch, einem begriffsstutzigen Apotheker im Skiurlaub erst mit Händen und Füßen ("I am a girl. I met a boy…") und dann in radebrechendem Schweizerdeutsch zu erklären, dass sie einen BTest kaufen will, ist aberwitzig komisch. Herrlich auch, wie sie und Darcey schon beim Betrachten des B-Test-Gerätes über die künftige Erziehung des Kleinen zu streiten beginnen (der sich dann vorerst als vergebliche Hoffnung erweist). Überhaupt ist das ambivalente Männerbild der Jones-Filme interessant: Die zwischen Firth (ernster, treu liebender, aber humorloser Menschenrechtsanwalt Darcey) und Grant (amoralischer, sexuell interessanter Hallodri) gespaltene Männlichkeit ist eine Dramatisierung realer Ängste vieler Frauen, die gerne beide Seiten hätten und fürchten, doch auf eine verzichten zu müssen. Und übrigens auch der Ängste vieler Männer, die ja gerne beides wären und fürchten, eines nicht zu können.

Es ist also eigentlich nichts dagegen zu sagen, dass man aus Bridget Jones eine Formel und aus dem tollen ersten Film eine Serie macht. Aber ohne etwas mehr Liebe zur Sache geht es denn doch – bitte! – nicht. Allein schon um bald Renée Zellwegers wobbly bits wiedersehen zu können, sei hiermit um Bridget Jones, Teil III, jetzt schon recht herzlich gebeten.