DIE ZEIT: Was fasziniert Sie so am Krieg?

Oliver Stone: Man kann ihm nicht entkommen. Ich brauche doch nur den Fernseher anzuschalten. Oder aus dem Fenster zu schauen. Hundert Meter Luftlinie entfernt, erinnert ein Mahnmal an die Opfer des Holocaust. Berlin, das ist der Zweite Weltkrieg. Eine vernarbte Stadt.

ZEIT: Offenbar ist der Krieg für Sie das Medium aller Geschichten. In Ihren Filmen geht es um den Vietnamkrieg, um die Verbrechen der CIA in San Salvador, um Serienkiller, um Politik als Krieg.

Stone: Selbst Sex ist manchmal Krieg. Auch Interviews können Krieg sein. Ich würde nicht so weit gehen, zu sagen, dass das ganze Leben Krieg ist, aber doch ein verdammt großer Teil davon.

ZEIT: Neben Ihren Spielfilmen haben Sie politische Dokumentarfilme gedreht. Über den Nahostkonflikt, über Fidel Castro. Wollen Sie den Kämpfern der Geschichte auf die Spur kommen?

Stone: Es kann nicht schaden, dass wir versuchen, die Männer, die Geschichte machen, zu verstehen. Ich habe mir für Comandante vorgenommen, mich von Castro nicht manipulieren zu lassen. Er ist ein faszinierender Mann, letztlich auch ein Filmschauspieler. Natürlich können Sie ihn einen antiamerikanischen Paranoiker nennen. Aber das würde zu keinerlei Erkenntnissen führen. Castro, Arafat, Nixon sind Menschen, die an etwas geglaubt haben. Mich interessiert, was die Geschichte von diesem Glauben übrig gelassen hat.

ZEIT: In Ihrem Film Nixon blickt Anthony Hopkins auf die Statue von Abraham Lincoln und sagt: "Wo wären wir ohne den Tod, Abraham?" Glauben Sie, dass man nur mit Toten Geschichte machen kann?