Spielen Das Brett im Kopf
In Deutschland erscheinen jedes Jahr Hunderte neuer Brettspiele. Wer denkt sich die alle aus? Zu Besuch bei drei erfolgreichen Spielmachern
Der Gewinner
Klaus Teuber verliert mit einem Lächeln. Sehen Sie, sagt er, und sammelt die quadratischen Plättchen vom Spielfeld, vierzehn Entdecker gegen zehn, da kann ich nicht mithalten. Es scheint ihn zu freuen. Wie lange das Spiel gedauert hat, will er dann wissen, so zehn Minuten? Zehn Minuten ist gut, es soll ein Zehn-Minuten-Spiel sein, dieses »Ozeanien«, bei dem man ein ganzes Meer mit kleinen sandstrandumkränzten Trauminseln füllt, und wer die meisten Entdecker absetzt, hat gewonnen. Teuber schaut auf das Spielbrett wie ein Vater, der stolz ist auf sein begabtes Kind. Es mache Spaß, die eigenen Spiele zu spielen, natürlich. Zu sehen, dass sie ihn nicht mehr brauchen. Zu verlieren. Dann merkt er, dass es gute Spiele sind.
Auch »Ozeanien« hat etwas mit den »Siedlern von Catan« zu tun, wie das meiste, was Teuber jetzt macht. Das ist wohl so, wenn man eines der erfolgreichsten Brettspiele aller Zeiten erfunden hat, man nennt es Marketing. Alles, wo »Die Siedler von Catan« draufsteht, verkauft sich gut, und deswegen gibt es jetzt auch eine Variante, bei der das Weltall besiedelt, und eine, bei der die Stadt Nürnberg gebaut wird. Und dann hat Teuber eben einfach Spaß an Expeditionsszenarien. »Ozeanien« ist eine schnelle Version von »Die neuen Entdecker«, und die wiederum sind so etwas wie die Vorgeschichte der Siedler. Es geht darum, Inseln im Ozean zu finden. Bei »Die Siedler von Catan« gibt es die Inseln schon, und man muss auf ihnen bauen, Straßen und Dörfer, und aufpassen, dass einem Erz, Kohle und Schafe nicht ausgehen.
Vor neun Jahren lag die rostrote Schachtel, auf der hinter einem Dorf eine Sonne untergeht, zum ersten Mal in den Läden. Seitdem ist der deutsche Spielemarkt nicht mehr derselbe. Und das Leben von Klaus Teuber auch nicht.
»Die Siedler von Catan« sind so etwas wie der Harry Potter der Spielebranche. Catan-Spielergemeinschaften wurden gegründet, vor allem unter Studenten, man traf sich regelmäßig und viele von denen, die nun eifrig winzige Plastikhäuschen auf einem bedruckten Pappbrett platzierten, hatten seit der »Malefiz«-Partie mit der Oma keinen Spielstein mehr in der Hand gehabt. Vier Millionen Exemplare der »Siedler von Catan« sind weltweit verkauft worden, mit den ganzen Ergänzungen für Vielspieler, den Rittern und den Seefahrern, sind es sogar neun Millionen.
Teuber lebt in einem Reihenhaus in Rossdorf bei Darmstadt. In seinem Leben hat es nicht viele wagemutige Züge gegeben. Mit Anfang 20 war er als Zahntechniker ins Dentallabor seines Vaters eingestiegen, weil seine Frau schwanger war. Eigentlich hatte Teuber Medizin studieren wollen. Er zog in die Nähe des Labors, es kamen noch zwei Kinder. Wenn er Zeit hatte, ging er in den Keller und dachte sich Spiele aus. Drei seiner Erfindungen wurden zum Spiel des Jahres gewählt, »Barbarossa und die Rätselmeister« 1988, »Adel verpflichtet« 1990 sowie »Drunter und Drüber« 1991. Die Verkaufszahlen schossen immer nach oben und sanken nach einer Weile wieder. Nur bei »Siedler von Catan«, seinem vierten Spiel des Jahres, sanken sie nicht. Sie stiegen immer weiter. Vier Jahre lang beobachtete Klaus Teuber das. Dann wagte er etwas. Mit 47 Jahren hörte er auf, als Zahntechniker zu arbeiten und wurde hauptberuflicher Spiele-Erfinder.
- Datum 07.03.2008 - 05:41 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 02.12.2004 Nr.50
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