DIE ZEIT: Herr Professor Prenzel, seit Tagen wird über die Ergebnisse der neuen Pisa-Studie gestritten. Haben Deutschlands 15-Jährige denn nun besser abgeschnitten als vor drei Jahren?

Manfred Prenzel: Im internationalen Vergleich eindeutig ja. Bei Pisa 2000 lagen wir beim Lesen, in Mathematik und Naturwissenschaften unter dem Durchschnitt der OECD-Staaten. Diesmal liegen wir überall im Mittelfeld. Will man wissen, ob die deutschen Schüler mehr können als ihre Vorgänger vor drei Jahren, dann ergibt sich ein differenziertes Bild.

ZEIT: Und zwar?

Prenzel: In der Mathematik und in den Naturwissenschaften sind die Leistungen gestiegen. Anschaulich ausgedrückt, entspricht die Verbesserung in etwa dem Stoff von drei bis sechs Monaten Unterricht.

ZEIT: Wie sieht es mit der Lesekompetenz aus?

Prenzel: Da ist keine Steigerung festzustellen. Zwar haben wir diesmal einen geringfügig höheren Wert erreicht, aber der ist statistisch nicht bedeutsam (siehe Grafik Seite 76). Beim Lesen sind unsere Schüler ins Mittelfeld gerutscht, weil der internationale Schnitt leicht gesunken und unser Wert minimal besser geworden ist.

ZEIT: Haben Sie mit den Ergebnissen gerechnet?