klima Deutschland im FieberSeite 7/7
Auch das ist eine Folge des Klimawandels: Mancherorts wappnen die Deutschen sich bereits gegen die große Flut, im Binnenland wie an der Küste. Der bayerische Umweltminister Werner Schnappauf dekretierte kürzlich, dass bei Neuplanungen von Hochwasserschutzanlagen ein »Klimafaktor von plus 15 Prozent« einzurechnen sei. Der Generalplan Küstenschutz der schleswig-holsteinischen Landesregierung sieht vor, die Nord- und Ostseedeiche um bis zu 50 Zentimeter zu erhöhen. Und auch den Niedersachsen rät Schirmer, nicht so zu tun, als gäbe es den Klimawandel nicht: »Er wird uns ziemlich kräftig erwischen«, prophezeit er.
Pech: Während der Meeresspiegel langsam steigt, rund zehn Zentimeter während des vergangenen Jahrhunderts, senkt sich, tektonisch bedingt, die deutsche Küste. Beide Effekte zusammen könnten Land und Meer binnen 50 Jahren rund 55 Zentimeter näher aneinander rücken lassen, schätzt Schirmer – mit dem Effekt, dass große Fluten wahrscheinlicher werden: Statt alle 2500 Jahre, wie derzeit, drohe die Katastrophe in Zukunft alle 250 Jahre. »Ein nicht mehr akzeptables Risiko«, sagt Schirmer.
Schirmer glaubt zwar, ziemlich exakt vorhersagen zu können, um wie viel Zentimeter der Meeresspiegel steigt. Doch vielleicht irrt er, irgendwann wird man das wissen, in 10, in 20, in 30 Jahren. Nur wird es dann zu spät sein, sich vor der Flut zu schützen. Deiche, niemand weiß das besser als ein Deichhauptmann, lassen sich schließlich nicht von heute auf morgen verstärken. »Wir brauchen Platz, wir brauchen Geld, wir brauchen Kleiboden«, sagt Schirmer – und hofft im Stillen auf die nächste Flut. Darauf, dass Kommunal- und Landespolitiker wenigstens aus Schaden klug werden.
Am anderen Ende Deutschlands, im Schneefernerhaus, misst derweil Ludwig Ries seine CO2-Millionstel und sagt, dass er beschlossen habe, »zum Lager der Optimisten zu gehören«. Anlass dafür gibt es bisher wenig – abgesehen davon, dass einmal pro Jahr der Klimaschutz ganz oben auf der internationalen Agenda steht. So, wie gerade im fernen Buenos Aires, wo sich die meisten Diplomaten darüber freuen, dass demnächst endlich das Kyoto-Protokoll in Kraft tritt.
Bislang allerdings hat das Protokoll kaum etwas dazu beigetragen, den Trend zur Warmzeit zu stoppen. Plus 1,4 Grad während der nächsten 100 Jahre erscheint den meisten Forschern unvermeidlich.
Papageien, willkommen im Schwarzwald!
- Datum 09.12.2004 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 09.12.2004 Nr.51
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