Kritik in Kürze Schneegestöber

Die Enzyklopädie vom Schnee gibt sich mysteriös. Die Autorin Sarah Emily Miano, so heißt es im Klappentext, sei nach einem Schneesturm in Buffalo verschwunden. Im Kofferraum ihres Wagens habe man das vorliegende Manuskript gefunden. Hinweise nehme die örtliche Polizei entgegen. Bei dem Manuskript handelt es sich nur scheinbar um eine Enzyklopädie. Obschon die Sammlung bei A beginnt, um mit Z zu enden, ist sie doch viel mehr als eine Systematik zum Schnee. Je weiter man in den Text vordringt, umso mehr Wege öffnen sich: Anekdoten, Briefe, Dialoge, Gedichte, Kurzgeschichten, Notizen – all dies verästelt sich zu einem Universum aus Bezügen und Querverweisen, als befände man sich im Inneren eines Eiskristalls. Nicht alle Einträge haben mit Schnee zu tun, aber irgendwo taucht immer eine Relation zu Winter, Eis und Kälte auf, und sei es nur durch ein gefrorenes Herz. Der amüsanten Beschreibung einer winterlichen Hochzeit unter Italoamerikanern wird eine Gedichtzeile von Dylan Thomas beigestellt, von dort geht es zu einem japanischen Liebesgedicht, dann zu der Erzählung eines Mannes, der auf der eisigen Krim die Liebe seines Lebens erblickt, schließlich wird als »weitere Lektüre« Robert Walsers Schneien empfohlen. So treibt der Leser vergnügt durch ein wahres Geschichtengestöber, dessen raffinierte Konstruktion für ein literarisches Debüt beeindruckend ist. Von Silja Ukena

Enzyklopädie vom SchneeRomanBelletristikaus dem Englischen von Uda SträtlingSarah Emily MianoBuchFischer Verlag2004Frankfurt a. M. 200419,90296
 
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