Literatur Kiew 1918Seite 2/2

Im Dezember endet die Idylle. Petljura rückt ein, verliert die Stadt 1919 an die Rote Armee, dann die Westukraine an Polen. Im April 1920 verbündet er sich mit den Polen, die daraufhin Kiew den Bolschewisten wieder abnehmen, mit beispielloser Gewalt, aber ohne Unabhängigkeitserfolg für die Ukraine. Denn im Frieden von Riga 1921 teilen Russland und Polen das Land, ungefähr entlang jener Grenze, die heute die Anhänger Jankukowitschs und Juschtschenkos teilt.

Aber im Rückblick auf die polnischen Zerstörungen schreibt Bulgakow 1923: »Es kommt der Tag, und die Polen werden uns nicht mehr böse sein, sondern uns eine neue Brücke bauen, schöner als die frühere… Die Stadt ist jetzt erschöpft nach den furchtbaren Donnerjahren. Sie ist still. Aber ich höre schon das Vibrieren des neuen Lebens. Die Stadt wird ausgebaut werden, ihre Straßen werden wieder brodeln, und sie wird sich erheben über den Fluss, den Gogol liebte, und wieder eine majestätische Stadt sein. Die Erinnerung an Petljura aber möge vergehen.«

Wie es aussieht, könnte Bulgakow Recht behalten. Die Ukraine, der Stalin 1940 den polnischen Westen wieder einverleibte, hat sich mit Polen versöhnt, und die Freiheitsliebe, die sie in unseren Tagen artikuliert, scheint endgültig gesäubert von dem Nationalismus der Petljura-Zeit.

 
Service