Bei Pisa 2000 lag Polen noch im unteren Drittel, dieses Mal schon im Mittelfeld. Wie hat Polen das geschafft?

Polen hatte damals keinen Pisa-Schock. Es gab keine heftigen Debatten wie in Deutschland, das schlechte Abschneiden der polnischen Schüler war für die Öffentlichkeit kein großes Thema. Denn Pisa 2000 hatte nur bestätigt, was längst bekannt war: Das Schulsystem musste dringend reformiert werden. Bereits seit 1999 wird Schritt für Schritt eine grundlegende Schulreform umgesetzt. Die Schüler von heute haben eine ganz andere Schule durchlaufen als die 15-Jährigen von damals.

Was hat sich geändert?

Zunächst einmal die Struktur des Schulsystems: Früher wurden die Kinder nach einer achtjährigen Grundschule selektiv auf verschiedene Schulformen verteilt. Heute beginnen die Schüler mit 6 Jahren in der so genannten Null-Klasse, die ihnen Grundfertigkeiten in Schreiben, Lesen und Rechnen vermittelt. Es folgt eine sechsjährige Grundschule. Anschließend absolvieren alle gemeinsam das so genannte Gymnasium, das in etwa unserer Mittelstufe entspricht.

Hat Polen deshalb besser bei Pisa abgeschnitten?

Meiner Ansicht nach ja. Wie Finnland oder Neuseeland hat Polen mit dem Gymnasium jetzt eine verpflichtende, nicht selektive Sekundarstufe I. Hier können die schwächeren Schüler von den stärkeren lernen. Erst danach werden sie getrennt: Die meisten Kinder besuchen ein so genanntes Lyzeum, entweder ein allgemeinbildendes oder ein eher technisches. Nur etwa 15 Prozent absolvieren eine Ausbildung an einem so genannten Technikum, das auf die Berufsausbildung zielt. Am Ende aller drei Schulformen steht das polnische Abitur.

Sonst blieb alles beim Alten?