Thomas Duerr

Thomas Duerr,36, bekannt unter dem Namen Thomas D., ist gelernter Friseur und Mitbegründer der Rap-Band Die Fantastischen Vier. 1992 wurden sie mit ihrem Lied "Die da" bekannt. Zuletzt erschien ihr Album "Viel". Thomas D. lebt mit Freundin und Kind in einer Bauernhof-WG in der Eifel. Hier träumt er davon, als Superheld die Welt zu retten – oder wenigstens Deutschland von Jörg Böckem

Ich habe viele Jahre lang davon geträumt, mit meiner Musik die Welt zu retten. Meinen naiven Optimismus habe ich mir lange bewahrt. Schließlich habe ich früh in meinem Leben die Erfahrung gemacht, dass Träume wahr werden können: Mit 16 war mein größter Traum, Popstar zu werden. Als ich zum ersten Mal bei einem Konzert im Publikum stand, in der Schleyer-Halle in Stuttgart inmitten von 12 000 Menschen, und Peter Gabriel auf der Bühne sah, war mir sofort klar: Ich stehe auf der falschen Seite. "Da oben ist mein Platz!", dachte ich. Ein paar Jahre später stand ich auf genau dieser Bühne. Also, Thomas, sei vorsichtig, wovon du träumst! Es könnte wahr werden!

Auch heute glaube ich noch daran, dass ich mit meiner Musik etwas verändern kann, aber den Traum, dadurch die Welt zu retten, habe ich mir mittlerweile abgeschminkt. Es sieht so aus, als würde sich die Welt auf die Dauer nicht retten lassen, erst recht nicht von einem Einzelnen.

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Hätte ich Superkräfte wie die Helden in den Comics, sähe das vielleicht anders aus. Möglicherweise hätte ich dann eine Chance.

Ich träume oft davon, ein Superheld zu sein. Als ich mir vor einigen Jahren die Tätowierung auf meinen Rücken und auf die Armen stechen ließ, wollte ich etwas haben, das an den Dress eines Superhelden erinnert – etwas, das mir eine Art Rüstung gibt, ohne dass es mich schwerer macht. Die Tätowierung sollte mir Flügel verleihen. Damals habe ich in meinen Träumen den Superhelden Reflektor Falke erfunden und mich in ihn verwandelt. Einen Helden, der die Fähigkeit hat, alles zu reflektieren, was ihm entgegengebracht wird. Die Menschen erkennen sich selbst, wenn sie den Reflektor Falken ansehen. Er konfrontiert sie mit ihrem wahren Ich – ob sie wollen oder nicht. Dass wäre für viele eine krasse Erfahrung!

So eine Fähigkeit ist natürlich Segen und Fluch. Denn sie macht den Reflektor Falken zum absoluten Außenseiter, weil niemand ihn selbst erkennt. Aber das lässt sich als Superheld wohl kaum vermeiden. Der Superheld Thomas D. wäre auf jeden Fall einsam, egal, welche Kräfte er hätte. Weil er etwas Besonderes ist und ihn das vom Rest der Welt trennt. Wie Spiderman, der von vielen Menschen abgelehnt wird. Er macht ihnen Angst, sie trauen ihm nicht. So einer wäre auch der Superheld Thomas D.

Möglicherweise sind Superkräfte auch nicht die Lösung. Wahrscheinlich würde es mir gehen wie Superman in dem Comic Friede auf Erden. In dieser Geschichte versucht der mächtigste Superheld der Welt an Weihnachten das Unrecht auf der Welt zu lindern; er verteilt Nahrung an Arme und Hungernde und bemüht sich, Kriege zu beenden. Friede auf Erden eben, nur für diesen einen Tag. Er scheitert. Nicht mal der größte Superheld, den die Welt je gesehen hat, schafft es, allen zu helfen, alle zu retten und der Welt Frieden zu bringen. Wenn selbst Superman versagt, wie soll dann der Superheld Thomas D. die Welt befrieden? Wahrscheinlich vermag überhaupt kein übermenschlicher Held die Menschheit zu retten. Das können wohl nur die Menschen selbst.

Vielleicht sollte ich deshalb kleiner anfangen und erst mal dieses Land retten. Seit ein paar Jahren träume ich davon, eine Partei zu gründen und Bundeskanzler zu werden. Wichtig für den Erfolg meiner Partei sind natürlich ein griffiger Name und gute Wahlslogans. Schwierige Sache. In Nürnberg gab es mal eine Stadtpartei, die hieß "Die Guten". Ein klasse Name, finde ich! Aber vielleicht würden wir dann nicht ganz ernst genommen. Deshalb scheidet wohl auch "Die Fantastischen" aus. Darüber muss ich mir auf jeden Fall noch Gedanken machen.

Auf jeden Fall wäre Tierschutz ein wichtiger Teil meines politischen Programms. Allerdings würde dieser Punkt nicht an erster Stelle stehen, denn natürlich muss eine Partei Politik für Menschen machen. Die Tiere würden mich ja auch nicht wählen.

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  • Schlagworte Musik | Bundeskanzler | Bundestag | Comic | Elektroauto | Frieden
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