Wer kann schon behaupten, drei richtig gute Freundinnen zu haben? Sich jede Woche regelmäßig zu treffen, so offen es geht über Sex, Liebhaber, Träume, Enttäuschungen, und Männer reden? Wer von uns hat ausschließlich teure Klamotten, genug Zeit, um sich in den stylishsten Bars rumzutreiben und das Leben zu genießen?

Keine hat so ein Leben. Deswegen faszinieren die "Sex and the City"-Fernsehheldinnen wie Fräulein Bradshaw und ihre Clique so. Sie leben das Leben, das sich ausschließlich um Themen dreht, mit denen sich jede Frau am Liebsten beschäftigt. Jede von den Darstellerinnen spiegelte über sechs Jahre eine bestimmte Sehnsucht wieder und konnte so den Zuschauerinnen beweisen, wie man sie erfüllt bekommt – oder auch nicht. Carrie, die Kolumnistin, auf der ewigen Suche nach dem Traummann. Es schien stets Mr. Big zu sein, doch kam Carrie vor lauter Verzweiflung öfters vom richtigen Weg ab. Auf ihren berühmten Stöckelschuhen von Manolo Blahnik. "Ich mag mein Geld genau da, wo ich es sehen kann ... hängend in meinem Kleiderschrank."
Die sexversessene Samantha lebte allen treuen oder vernünftigen Frauen vor, dass "für einen Single die Welt ein großes Schlemmerbufett" ist. Sehnsuchtsvoll verlangte sie nach ständiger Bestätigung und Befriedigung. Ob sie am Ende glücklich wird und nicht nur sich selbst liebt, sondern auch jemand anderes lieben kann?
Ganz anders und geradezu konservativ die Frau, deren Wünsche nach Familienglück durch Scheidung und Unfruchtbarkeit herbe enttäuscht wurden. Dass Charlotte ihre Fröhlichkeit und ihren naiven Optimismus selten verlor, das imponierte ihren Fans. "Ich will doch nur einen netten, liebenswerten, gut aussehenden, witzigen, wahnsinnig tollen Typen." Hoffte so und verliebte sich unsterblich in einen Glatzkopf mit starker Rückenbehaarung. Klar, dass die Männer Charlotte – neben Samantha – immer am meisten mochten.
Der Durchschnittsfrau am ähnlichsten war Miranda. Sie arbeitete viel, verliebte sich in komische Männer und bekam ein Baby von ihrem Exfreund. Mit ihrem manchmal ernüchternden Realismus überspielte sie ihre Hoffnung nach der großen Liebe. "Wenn ein Mann über 30 und immer noch Single ist, ist das schlicht und ergreifend Darwinismus. Der Mann ist von der Fortpflanzung ausgeschlossen."

Heute Abend läuft die 94. und letzte Folge. Es wird keine Fortsetzungen geben und auch keinen Kinofilm. Zwei der Darstellerinnen, Kim Catrell (Samantha) und die Protagonistin Sarah-Jessica Parker (Carrie) können sich in Wirklichkeit nicht leiden. Auch die zunehmenden Honorarforderungen ließen die Produzenten ein Ende der Serie beschließen. Die vier Schauspielerinnen können sich nun wieder auf ihre richtigen Familien und Ehemänner konzentrieren. Währenddessen finden die Zuschauerinnen endlich Zeit, ihre Sehnsüchte zu verfolgen. Sollten diese weder wilden Sex, Liebe, Affären oder Nachwuchs beinhalten, dann ist der TV-Nachfolger "Desperate Housewives" womöglich der richtige Ersatz für Carrie und Co. Denn in dieser Serie warten vier neue amerikanische Freundinnen. Statt Shopping und Liebe dreht sich alles um Rache, Unglück und Depressionen.

(Carrie, komm zurück!)