Kein sauberes Trinkwasser, kein Dach über dem Kopf und keine ärztliche Betreuung: Fast jedes zweite Kind auf der Welt lebt in äußerster Armut. Das ergab der Jahresbericht „Zur Situation der Kinder in der Welt 2005“ der UNICEF. „In vielen Ländern verschärfen außerdem Bürgerkriege und die Infektionskrankheit Aids die Situation“, sagt UNICEF-Deutschland Pressesprecher Rudi Tarneden. Sowohl in Ägypten... BILD In den Entwicklungsländern sei die Situation dramatisch: Laut dem Bericht sollen 90 Millionen Kinder unter fünf Jahren mangelernährt sein. 270 Millionen erhielten nicht einmal die einfachste Gesundheitsversorgung und rund 400 Millionen kein sauberes Grundwasser. Außerdem seien 640 Millionen Kinder obdachlos. 121 Millionen Jungen und Mädchen im Grundschulalter besuchten keine Schulen. UNICEF fordert daher Regierungen weltweit auf, Kinder in den Mittelpunkt des Kampfes gegen Armut und Unterentwicklung zu stellen. „Schätzungsweise sind jährlich 40 bis 70 Milliarden US-Dollar nötig, um allen Kindern einen Schulabschluss zu gewährleisten, die Kinder- und Müttersterblichkeit drastisch zu reduzieren, die Wasserversorgung zu verbessern und Aids einzudämmen“, sagt Tarneden. Zum Vergleich: Weltweit werden 956 Milliarden Dollar für Rüstungsangelegenheiten ausgegeben. ...wie in Nicaragua: Die Situation in den Entwicklungsländer ist für die wesentliche Mehrheit der Kinder dramatisch BILD Auch in den vermeintlich reichen Industrieländern hat sich die Situation der Kinder verschlechtert. In elf von fünfzehn OECD-Staaten ist der Anteil der Kinder, deren Familien mit weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens leben müssen, im vergangenen Jahrzehnt deutlich gewachsen. Das gilt auch für Deutschland: Zwischen 1990 und 2000 stieg der Anteil relativ armer Kinder von 4,1 auf 9 Prozent. Doch Armut bedeutet für UNICEF nicht nur der Mangel an Einkommen. „Kinder aus armen Familien sind häufiger krank, haben Schulprobleme und schlechtere Chancen auf eine gute Ausbildung. Außerdem sind sie meist übergewichtig“, sagte Tarneden. Weiterhin könnten sie an vielen Aktivitäten wie unter anderem Klassenfahrten nicht teilnehmen. Der Besuch eines Sportvereins sei für arme Familien nicht mehr finanzierbar. Dadurch werden Kinder an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Über eine Million Jungen und Mädchen leben in Deutschland von Sozialhilfe.
(Michelle Kossel, ZEIT.de) Der UNICEF-Jahresbericht ist im Buchhandel als Fischer Taschenbuch erhältlich. ISBN 3-596-16427-3, 9,90 Euro