Interview Die Welt ist so reichSeite 13/13
ZEIT: Nach zweihundert Jahren hätte sich das Leben erfüllt?
Mayröcker: Ja. Man braucht so viel Zeit. Ich würde das Leben aufteilen. In einem Leben würde ich nur lesen, in einem nur schreiben und in einem nur reisen. Dann brauchte ich noch eines, um mehrere Sprachen zu erlernen. Vielleicht wird man das in ein paar hundert Jahren können, vielleicht werden die Menschen sogar unsterblich. Das würde ich mir wünschen. Man könnte sich alles so schön einteilen.
ZEIT: Gibt es etwas, das sich in Ihrem Leben noch nicht erfüllt hat?
Mayröcker: Es hat sich eigentlich alles erfüllt.
Das Gespräch führte Iris Radisch
Friederike Mayröcker . Geboren am 20. Dezember 1924 in Wien. Bis zum 11. Lebensjahr verbringt sie ihre Sommer in Deinzendorf im Weinviertel, seit den vierziger Jahren lebt sie in Wien in der Zentagasse in einer winzigen Wohnung, von 1946 bis 1969 ist sie Englischlehrerin in Wien, 1954 lernt sie Ernst Jandl kennen, dem sie bis zu seinem Tod im Juni 2000 eng verbunden bleibt. Ihr Werkverzeichnis umfasst über achtzig Titel, unter anderem "Magische Blätter", "Das Herzzerreißende der Dinge", "mein Herz mein Zimmer mein Name", "Stilleben", "Lection", "brütt oder die seufzenden Gärten", "Requiem für Ernst Jandl". Zum Geburtstag sind ihre "Gesammelten Gedichte", ergänzt um viele neue, erschienen (alle bei Suhrkamp).
- Datum 16.12.2004 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 16.12.2004 Nr.52
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